„Zhang Jikes Kraft kam von innen“

Jens FellkePortrait, TrainerportraitLeave a Comment

Ein Talent, aber kein Supertalent. Äußerst eifrig, ehrgeizig und daran interessiert, sein Spiel weiterzuentwickeln. ’Zhang Jikes größte Stärke war seine Einstellung’, sagt Shen Penghua, der die spätere Legende im Alter von sechs bis zwölf Jahren trainierte.
’Zhang Jikes Kraft kam von innen.’

Shen Penghua, Zhang Jike’s Trainer von dessen sechsten bis zwölften Lebensjahr. Fotos: Jens Fellke

Qingdao ist eine Stadt mit 10 Millionen Einwohnern. Sie liegt am Meer, im Osten der Provinz Shandong. Sie ist Zhang Jikes Heimatstadt, einem der erfolgreichsten männlichen Spieler seit dem Durchbruch des modernen Tischtennis in der Mitte der 50er Jahre. Zhang Jike ist sowohl Olympiasieger (2012) als auch Weltmeister im Einzel (2011 und 2013). Außerdem besitzt er zwei World-Cup-Titel (2011 und 2014).

Zhang Jike nach dem Gewinn seines ersten Weltmeistertitel im Einzel. Foto: Jens Fellke

Shen legte die Grundlagen
Sein erster Trainer zu Beginn dieser ungewöhnlich erfolgreichen Karriere war Shen Penghua, der die Hauptverantwortung für Zhang Jikes Tischtennistraining zwischen dessen siebten und zwölften Lebensjahr hatte. Shen Penghua zeigt heute immer noch Kindern in Qingdao wie man Tischtennis spielt. Ich treffe ihn in seiner Tischtennisschule im Stadtzentrum, wo er hofft, zukünftige Weltmeister zu finden und zu trainieren.
’Zhang Jike begann mit dem Tischtennisspielen auf dem heimischen Küchentisch. Da war er fünf Jahre alt. Sein Vater war ein tüchtiger, professioneller Tischtennistrainer. Das half natürlich.’
Nachdem er ungefähr ein Jahr lang zu Hause in der Küche trainiert hatte, begann er, genauso regelmäßig im TT-Zentrum zu trainieren.’Er war talentiert, aber kein Supertalent. Er war eifrig und extrem willensstark, viel ehrgeiziger als die anderen Kinder in seiner Gruppe. Das Training war so organisiert, dass der Trainer für jeden Spieler einen Trainingsplan erstellte. Die Kinder lernten, schnelle Bewegungen mit der Ausführung technisch richtiger Schläge in immer höherer Geschwindigkeit zu kombinieren.‘ 

Shen mit Jike in seiner Funktion als Personal Coach.

Einstellung als größte Stärke
Zhang Jike lernte schnell. Um ihn zu fordern, gab Trainer Shen ihm immer schwierigere Aufgaben zu lösen – viel kompliziertere als die der anderen Kindern. Dann war es Zeit für Zhang Jike für den Wettkampf. Schon in seinem ersten Turnier machte Zhang Jike einen guten Eindruck. Er spielte ohne Angst. Er glaubte an sich. Von Anfang an.
’Aus meiner Sicht war Zhang Jikes große Stärke seine Einstellung zum Training und dass er in allen Situationen mutig war. Er hatte keine Angst. Zögern führt zu Fehlern – er zögerte nicht. Er zeigte am Tisch ein sehr großes Kämpferherz. Er hatte innere Stärke. Das ist eine sehr wichtige Eigenschaft, wenn man Meister werden will.’
’ Zhang Jike hatte das von Anfang an. Hat man das nicht, dann ist die einzige Möglichkeit, seiner Angst zu begegnen, viele Wettkämpfe.’Im Alter von 13 Jahren war Zhang Jike eindeutig der Beste seines Jahrgangs (geboren 1988) in Shandong. Dann zog er von Qingdao in die Provinzhauptstadt Jinan. Dort trainierte er zwei Jahre lang, bevor er in die Nationalmannschaft in Beijing aufgenommen wurde, woraufhin verließ er Shandong und zog in die Hauptstadt.

Mit Shen auf Reisen (Jike rechts).

Drei Stunden Multiball am Tag
 Zwischen seinem sechsten und zehnten Lebensjahr trainierte Zhang Jike ungefähr zwei- bis dreimal am Tag. Als er 11-12 war, trainierte er fünf Stunden am Tag, einschließlich Multiballtraining.
’Als er bei mir war, trainierten wir zwei bis drei Stunden Multiball je Einheit. Andere, die ihn trainierten, nochmal eine Stunde, so daß er ungefähr drei Stunden Multiball trainierte. Jeden Tag.’Ab 8 bis 9 Jahren, als sein Talent offensichtlich war, wurde Zhang Jike im Trainingszentrum besonders behandelt. Das bedeutete, dass sich ein Trainer mehr oder weniger nur um ihn kümmerte.

Kampf um Sportsendung
Shen Penghua begleitete Zhang Jike zu unzähligen Turnieren als der zukünftige Weltstar noch sehr jung war.
Irgendwelche Erinnerungen?
’Er hatte nur ein einziges Interesse neben Tischtennis und das waren andere Sportarten. Wenn er nicht Tischtennis spielte, sah er CCTV Channel 5, das alle Sportereignisse im chinesischen Fernsehen zeigt. Einmal – während eines Turniers – war eine ganze Gruppe Tischtennisspieler in einem Raum versammelt. Es kam zum Streit. Zhang Jike wollte CCTV 5 sehen, ein anderer Junge wollte etwas anderes sehen. Sie stritten, beide waren eigensinnig.’
Keiner gab nach. Sie fingen an zu kämpfen, gingen mit Fäusten aufeinander los.’Ich musste sie trennen. Dann nahm ich Zhang Jike mit auf mein eigenes Zimmer. Ich setzte ihn vor den Fernseher und er konnte so viele Sportprogramme ansehen wie er wollte.‘

Der Trainer und sein Schützling.

Stellte Tradition in Frage
Ein anderes Mal, viel später, sollte Zhang Jike gegen Wang Hao spielen. Sie hatten nie vorher in einem internationalen Turnier gegeneinander gespielt. Ein Brauch ist es, dass der ältere und bessere Spieler zwischen dem roten oder schwarzen Trikot der Nationalmannschaft wählen darf. Wang Hao wählte das rote.
’Aber Zhang Jike weigerte sich, das schwarze Trikot anzuziehen. Ich will auch das rote T-Shirt, sagte er. Damit stellte er das Recht des älteren und besseren Spielers in Frage. Er stellte sich gegen die Tradition – was für einen Chinesen sehr ungewöhnlich ist. Nach einiger Diskussion gab Zhang Jike letztendlich nach. Er akzeptierte die Situation und zog sich das schwarze Trikot an.’

Zhang Jike zu Besuch wo er herkam, in der Tischtennisschule in Qingdao

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