„Wonder Kid“ setzt auf Gold in Tokio

Jens FellkeAktuelles, Portrait, SpielerportraitLeave a Comment

Im Alter von 9 Jahren trat Mima Ito erstmals auf der internationalen Tischtennis-Bühne auf. Seitdem hat sie ständig neue Rekorde erzielt. Rekorde sind eine schöne Sache, aber die selbstbewusste Japanerin hat eine andere Leistung im Sinn: Bei den Olympischen Spielen 2021 in Tokio will sie Gold in der Mannschaft, im Einzel und Mixed gewinnen.

Mima Ito. Foto: ITTF

Mima Ito ist ein Tischtennisphänomen. Geboren am 21. Oktober 2000 in Iwata, Präfektur Shizuoka, Japan, begann sie im Alter von 2-3 Jahren zu spielen. Bereits mit neun Jahren gewann sie ihr erstes Match bei den Japanischen Meisterschaften für Damen und holte ihren ersten Schülerinnen Titel bei den ITTF Korean Junior and Cadet Open.

Und so ging es ständig weiter. Mima brach Rekord auf Rekord, die jüngste, die hier eine Medaille gewann, die jüngste, die dort eine Medaille gewann. Und im Alter von 11 Jahren übertraf sie zum Beispiel den Guinness-Weltrekord von Ai Fukuhara, indem sie den Ball innerhalb einer Minute 180-mal über das Netz schlug, das war fünfmal mehr als Fukuhara. Aber auch wenn es ihr Spass macht Rekorde zu brechen – jetzt hat sie sich neue Ziele gesteckt – Gold im Einzel und in der Mannschaft und auch im Mixed bei den Olympischen Spielen in Tokyo. 

„Ai-chan“ das Vorbild

Ai Fukuhara (Ai-chan) war das Vorbild und Idol von Mima Ito. Sie war mit Abstand die bekannteste und beliebteste Tischtennisspielerin in Japan. Ai Fukuhara begann im Alter von drei Jahren zu spielen, hat dann in einer Fernseh-„Soap Opera“ mitgewirkt und wurde mit elf Jahren in den japanischen Damen Nationalkader berufen. Als sie mit 13 Jahren das Viertelfinale der Weltmeisterschaft im  Einzel erreichte, wurde „Ai-chan“ zu einem Superstar in ihrem Heimatland. Trotz der Tatsache, dass sie jetzt verheiratet ist und sich aus der Weltklasse-Tischtennis-Szene zurückgezogen hat, ist sie immer noch ein Superstar in Japan. Der Grund hierfür sind die sozialen Medien und kluger PR.

Die neue „Ai-Chan“

Mima Ito ist die neue Ai-Chan in Japan. Aber sie füllt die Rolle des neuen Wunderkindes mit besseren Ergebnissen als Ai-chan und wie es scheint, mit einem noch stärkeren Willen zu unglaublichen Resultaten. 2015, gerade 14 Jahre alt, war sie die jüngste Spielerin aller Zeiten, die auf der World Tour einen Titel im Damen Einzel gewann. Seitdem hat sich Mima Ito zur gefährlichsten Herausforderin der besten Chinesinnen entwickelt.

Nerven aus Stahl

Bei den Mannschafts-Weltmeisterschaften in Kuala Lumpur 2016 zeigte sie im Halbfinale gegen Nordkorea Nerven aus Stahl. Sie hatte ihr erstes Match gegen Kim Song I verloren und lag mit 2:1 in Sätzen gegen Ri Myong Sun hinten. In einem nervenaufreibenden Kampf riss sie das Match noch an sich und sorgte so dafür, daß Japan ins Finale gegen China einzog. „Ich bin sehr froh, an dieser Weltmeisterschaft teilnehmen zu können, da dies mein erstes großes Turnier ist“, sagte sie anschließend zu den Medien. „Ich genieße es und hoffe, dass ich meine Leistung steigern und bei meinem nächsten Turnier noch besser spielen werde.“

Künste Medaillengewinnerin bei Olympischen Spielen. Foto: ITTF

„Ich bin einfach glücklich, dass wir diese Medaille gewonnen haben.
Vor mir spielten Fukuhara und Ishikawa gut. Es war eine hervorragende Mannschaftsleistung, nicht nur ich habe gut gespielt…

Und das ist Mima Ito gelungen. Schon bei den wenige Monate später stattfindenden Olympischen Spielen 2016 in Rio, im Spiel um die Bronzemedaille gegen Singapur traf sie auf Feng Tianwei, die damals Nr. 4 in der Welt war. Ito schockte ihre Gegnerin und Singapur mit einem 3: 0-Sieg, Japan erhielt die Bronzemedaille und Mima Ito wurde somit der jüngste Medaillengewinner der Olympischen Tischtennisspiele, genau 15 Jahre und 300 Tage alt. Im Mittelpunkt des Interesses stehend sagte sie anschließend: „Ich bin einfach glücklich, diese Medaille gewonnen zu haben. Vor mir spielten schon Fukuhara und Ishikawa sehr gut. Es war eine hervorragende Mannschaftsleistung, nicht nur ich habe gut gespielt… Ich freue mich darauf, nach Hause zu kommen und meine Medaille meiner Familie und allen die mich unterstützen, zeigen zu können. “

Spielt mit Noppen außen

Mima Ito spielt auf der Rückhand mit Noppen außen und auf der Vorhand mit Noppen innen. Nach den Olympischen Spielen in Rio ist ihre Spielweise – sie spielt nahe am Tisch und trifft den Ball mit ihren verschiedenen Belägen sehr früh nach dem Aufsprung – noch kompakter geworden. Das hat ihr hervorragende Ergebnisse und weltweiten Respekt gebracht.
Im Jahr 2018 war Mima Ito bei den Team-Weltmeisterschaften in Schweden ungeschlagen geblieben und führte das japanische Team zu einer Silbermedaille. Im Finale besiegte sie Liu Shiwen, das brachte Japan mit eins zu null in Führung, was aber nicht genug war, um China zu besiegen.

Im Juni 2018 gewann sie die Japan Open. Dort besiegte sie  die chinesischen Stars Chen Xingtong mit 4: 3 im Halbfinale und Wang Manyu mit 4: 2 im Finale. „Diesen Titel vor all diesen japanischen Fans zu gewinnen, war unglaublich. Das war ein sehr hartes Spiel gegen Wang Manyu, die eine sehr gute Spielerin ist. Der Grund für meinen Sieg waren die Zuschauer, die Kraft und Energie, die sie mir gaben. Ich kann es kaum erwarten, diese Atmosphäre in Tokyo 2021 zu erleben!“

„Der Grund für meinen Sieg waren die Zuschauer, die Kraft und Energie, die sie mir gaben. Ich kann es kaum erwarten, diese Atmosphäre in Tokyo 2021 zu erleben! 

Im November 2018 wurde Ito’s Ruf als „China Killer“ unterstrichen. Bei den Swedish Open schlug sie die beiden Damen-Ikonen, Welt- und Olympasiegerinnen, Liu Shiwen und Ding Ning, bevor sie im Finale Zhu Yuling mit 11:5, 11:3, 11:5, 11:8 besiegte! Bei den Hungarian Open im Februar 2020 holte sie sich ihren achten Einzel-Titel bei der World Tour. Und bei den Qatar Open schlug sie nochmals Ding Ning, diesmal mit 4:0. Einen der vier Sätze gewann sie 11:0!

Kein Wunder, dass das japanische „Wonder Kid” oft in chinesischen Zeitungen erwähnt wird und als größte Bedrohung für China bei den Olympischen Spielen angesehen wird.

Shenzhen – CHINA – Women’s Singles – Round of 32 , Seamaster 2019 ITTF World Tour Platinum, China Open, May 30 2019. Photo: Rémy Gros (ITTF)

Interview ITTF Ask a Pro anything:

Ito’s Ranglisten Statistik auf dem Weg in die Top 10

2010 September WRL 484 (Alter 9)
2011 September WRL 300
2012 September WRL 154
2013 September WRL 68
2014 September WRL 48
2015 Juni WRL 9 (Alter 14)
2017 November 6
2018 Januar 5
2020 April 2

9 Rekorde von Mima Ito 

2010 – Gewann ein Match bei den nationalen japanischen Meisterschaften der Damen im Alter von 10 Jahren und 2 Monaten und brach damit den Altersrekord von Fukuhara (11 Jahre, 1 Monat).

2010 – Die jüngste Spielerin, die einen Schülertitel beim ITTF Junior Circuit gewann, als sie im Alter von 10 Jahren den Titel bei den Korean Junior & Cadet Open gewann.

2011 – Spielte den Ball in einer Minute 180 Mal über das Netz.

2011 – Die zehnjährige Mima Ito ist die Jüngste, die jemals ein ITTF Junior-Turnier der Kategorie U-18 gewonnen hat (bei den Chinese Taipei Junior and Cadet Open).

2012 – Sie besiegte WRL Nr. 50, Matilda Ekholm, Schweden; ist damit die jüngste, die sich jemals für das Hauptfeld bei einem World Tour Event qualifiziert hat (Spanish Open).

2014 – Die jüngste Gewinnerin im Doppelwettbewerb der ITTF World Tour. Mima Ito und Miu Hirano gewannen die German Open bei den Damen. Das Alter der beiden Spieler zusammen betrug insgesamt nur 27 Jahre und 145 Tage.

2014 – Das japanische Duo wurde daraufhin der jüngste Gewinner eines ITTF World Tour Grand Finals. Im Finale besiegten sie Feng Tianwei und Yu Mengyu aus Singapore.

2015 – Mima Ito wurde mit 14 Jahren und 152 Tagen die jüngste Gewinnerin im Einzel bei der ITTF World Tour. Sie gewann die German Open im März 2015.

2016 – Jüngste Medaillengewinnerin bei Olympischen Spielen im Tischtennis: Bronze bei den Olympischen Spielen von Rio im Mannschaftswettbewerb. 

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