Truls Möregårdh lebt Tischtennis

Jens FellkePortrait, SpielerportraitLeave a Comment

Er stellt sich schnell auf seine Gegner ein. Ist sehr konzentriert und ausdauernd im Training.
Truls Möregårdh lebt Tischtennis rund um die Uhr.
30 Stunden pro Woche arbeitet er hart daran, seinen Traum, eines Tages die Nr. 1 in der Welt zu sein, zu realisieren.

Truls Möregårdh – auf dem Weg nach oben. Foto: Rémy Gros/ ITTF

Es war naheliegend für Truls Möregårdh, Tischtennis als Sportart zu wählen, weil er in eine Tischtennisfamilie hineingeboren wurde.
Mit sechs Jahren machte er zu Hause die ersten Schläge auf einem Mini Tischtennis Tisch. Mit sieben nahm er regelmäßig am organisierten Training des Vereins in Hovmantorp, einem kleinen Ort mitten in Südschweden, teil. Seine älteren Brüder Malte und Elis spielten schon dort und Vater Carl war der Nachwuchstrainer.

„Tischtennis, das war Liebe auf den ersten Blick“ sagt Truls.

“ Das Training machte großen Spaß und ich habe sehr ungeduldig auf die Wochenenden mit den Wettkämpfen gewartet. Ich war glücklich, wenn ich gewann, und wurde verrückt, wenn ich verlor.“

Es wurde von Anfang an zielgerichtet in der Familie gedacht. „Es war ein ständiges Abwägen“, sagt Vater Carl,“ Truls wollte zwar ununterbrochen spielen, aber damit es auch Spaß machte, habe ich ihm ständig neue Herausforderungen gegeben. U.a. habe ich ihn in unterschiedlichen Gruppen trainieren lassen, um die Dynamik im Training beizubehalten.“

Truls trainierte immer häufiger und wechselte bald zusammen mit seinem Bruder Malte zum Erstliga Klub Frej nach Växjö. Dort war das Niveau der Spieler besser als im Heimatverein.

Mit zehn Jahren war Truls der überlegen beste Spieler seines Alters, er gewann die inoffizielle Schwedische Meisterschaft für 11-jährige zwei Mal. Die Vereinstrainer von Frej, Mårten Stenberg und Fredrik Berner, fuhren häufig nach Hovmantorp, um mit ihm vormittags Training zu machen.

Bestätigung von Hu
Auch der in Schweden lebende Weltklasse Trainer Hu Weixin kam regelmäßig zu Truls, machte sehr viel Balleimer Training mit ihm und brachte ihm viel über Tischtennis bei.
Über Truls sagt er heute: „Ich war erstaunt darüber, wie schnell er von einem technischen Niveau auf die nächsthöhere Ebene kam. Er war in der Lage, neue Dinge zu erlernen und sie sofort in seinem Spiel anzuwenden. In Wettkämpfen hat er die Fähigkeit, sich schnell auf seinen Gegner einzustellen.“
Für Truls war dies sehr wichtig: „Daß Weixin meinte, dass ich das Potential hätte, ein richtig guter Spieler zu werden, war sehr motivierend. Er hat immerhin den chinesischen Weltmeister Ma Wenge ab dessen 11. Lebensjahr trainiert. Es war eine Bestätigung für mich, dass ich auf dem richtigen Weg sein musste.“

Mehr Training. Mehr Wettkämpfe. Mehr Freude bei Siegen und Frustration und Enttäuschung bei Niederlagen. Mit 11 und 12 Jahren bekam er die Gelegenheit, seine Spielstärke gegen die besten gleichaltrigen Spielern in Europa bei den jährlich stattfindenden Euro Mini Champs in Strassburg zu testen. Er gewann das Turnier zwei Jahre hintereinander, eine Leistung, die nur sehr wenige Spieler außer ihm vollbracht haben. Damit bekam er einen weiteren Motivationsschub.

Kurzer Rückschlag – Europameisterschaften 2019. Foto: Rémi Gros/ITTF

Mit 13 präsentierte Truls sich zum ersten Mal global. Bei den ITTF Cadet Challenge Meisterschaften in Ägypten, ein oder zwei Jahre jünger als die meisten seiner Konkurrenten, erreichte er sensationeller Weise das Finale – und vergab zwei Matchbälle gegen den Chinesen Yang Shuo.


„Dieses Turnier gab mir wichtige Aufschlüsse. Ich verstand, dass ich auch die besten Chinesen in meinem Alter schlagen konnte.“

Der Weg an die Spitze bringt fast immer schwierige Entscheidungen mit sich, Änderungen, die für Menschen, die glauben, dass Durchschnitt ausreichend ist, unverständlich wirken.

Nach Eslöv
Die Familie Möregårdh zog ins 200 km entfernte Eslöv, ganz im Süden von Schweden. In erster Linie, um Truls die bestmöglichen Trainingsbedingungen zu verschaffen. Aber auch, um Bruder Malte, der als Jugend Nationalspieler nach in Helsingborg gegangen war und damit nur 50 km von Eslöv entfernt wohnte, näher zu kommen.

„Ich war 12 als wir umgezogen sind“ erinnert Truls sich. “In Eslöv konnte ich nicht nur nachmittags/abends, sondern auch zusätzlich drei Mal pro Woche an Vormittagen trainieren. Ich bekam Top Trainer wie Peter Sartz und Peter Andersson. Und schon bald bekam ich die Möglichkeit, mit anderen, sehr starken Spielern, wie z.B. Weltklasse Spieler Xu Hui, zu trainieren.  
Peter Sartz war 19 Jahre lang Bundestrainer und Sportdirektor in Dänemark. Er war stark beteiligt an dem Gewinn der Europameisterschaft der dänischen Mannschaft 2005, an Mikael Maze’s EM-Titel im Einzel und dessen Weg in die Top 10 der Weltrangliste. 
Seit 2014 war er in Eslöv tätig und hat viel Zeit und Energie in die Entwicklung von Truls Möregårdh investiert.

Enttäuscht bei der Jugend-Olympiade in Buenos Aires 2018. Foto: ITTF

“Die Familie Möregårdh hat schon frühzeitig hohe internationale Ziele für Truls anvisiert“, sagt Peter Sartz, „und sie hat dementsprechend wichtige Entscheidungen, ein Beispiel ist der Umzug nach Eslöv, getroffen. 
Truls hat meiner Meinung nach das Potential, ganz nach oben zu kommen. Er liebt Wettkämpfe und sein Fokus und seine Konzentration im Training sind ungewöhnlich. Er will alle Ballwechsel gewinnen, egal ob im Wettkampf oder im Training. Er ist in der Lage, Widerstände zu überwinden und sein Niveau zu halten, auch wenn er in Schwierigkeiten gerät.Nach dem Training geht er nach Hause und schaut sich Tischtennis auf Internet an. Dabei lernt er weiter. Wenn er bei internationalen Meisterschaften ausgeschieden ist, trainiert er sechs Stunden in der Trainingshalle und verfolgt zwischendurch die besten Spieler von der Tribüne aus. Truls lebt Tischtennis.“

Ungewöhnliche Motivation
„Er hatte von Anfang an eine ungewöhnlich hohe Motivation”, erinnert sich der Vorsitzende des erfolgreichen Vereins von Eslöv AI, Thomas Andersson. “Er war oft, zusätzlich zum normalen Training, noch samstags abends allein in der Halle, um Aufschläge zu trainieren.“

Diese Einstellung machte sich bezahlt. 2016 und 2017 erreichte Truls das Schülerfinale bei den Jugendeuropameisterschaft, wo er beide Male dem Russen Sidorenko unterlag.Bei den U-18 Weltmeisterschaften 2017 schlug er zwei Chinesen und wurde Zweiter.
In seinem ersten Jugendjahr verlor er das Finale der Europameisterschaft gegen den Griechen Sgouropoulos, im zweiten jedoch, 2019, holte er endlich seinen ersten Europameistertitel im Einzel bei den Jungen.

Unbesiegt bei den Mannschaftseuropameisterschaften der Herren 2019. Foto: ETTU

Bei den Mannschaftsweltmeisterschaften im schwedischen Halmstad 2018 stand er bereits als 16-jähriger in der Herren Mannschaft, die die Bronzemedaille gewann! 

In diesem Jahr setzte sich seine Entwicklung fort. Er verteidigte seine Titel bei den Swedish Open Junior und wurde Schwedischer Meister bei den Herren, wobei er sowohl die Nr. 23 der Weltrangliste, Kristian Karlsson, als auch Vizeweltmeister Matthias Falck jeweils in denkwürdigen 7-Satz Kämpfen besiegte.

Und bei den Mannschafteuropameisterschaften im September 2019 blieb er als Nr. 3 Spieler der schwedischen Herrenmannschaft, die wiederum Bronze gewann, unbesiegt.

Truls‘ nächste Ziele sind, in der japanischen Liga zu spielen und sich für die Olympischen Spiele in Tokio 2020 zu qualifizieren.

Er empfindet es nicht als eine Belastung, als die neue Hoffnung des schwedischen Tischtennissports zu gelten, als ein neuer Waldner oder Persson. Er sagt, dass es angenehm und schmeichelnd sei. Er meint selbst die Fähigkeit zu besitzen, Herausforderungen am Tisch zu lösen und nicht abhängig von einer bestimmten Spielweise zu sein.  „Ich meistere die meisten Elemente des Spiels. Wenn etwas nicht gut funktioniert, kann ich meine Spielweise ändern. Ich bin ein guter Taktiker. 
Zur Zeit arbeite ich daran, im Spiel sicherer agieren zu können, was notwendig ist, um die allerbesten in der Welt herausfordern zu können. Ich bin auf dem besten Weg.

Truls persönliche Sieger-Geste. Foto:ETTU

Profil Truls Möregårdh

Alter: 17 Jahre
Wohnort: Eslöv, Sweden
Nationalität: Schwedisch
Verein: Eslöv AI, ein Verein, der in den letzten 15 Jahren 13 Mal schwedischer Mannschaftsmeister geworden ist. 
Angefangen mit TT: mit 6 Jahren
Trainingsstunden: ca. 30/Woche
Wettkampfhäufigkeit: 
ca. 100 Tage/Jahr
Internationale Erfolge
: Jugend Europameisterschaften: 2. Platz Schüler Einzel 2016 + 2017. 2. Platz Jungen Einzel 2018, Sieger Jungen Einzel 2019. 
Sieger Europa Top 10 U-15, 2. Platz ITTF Cadet Challenge 2015 
Sieger Euro Mini Champs 2013 und 2014
Weltmeisterschaften Mannschaft 2018: 3. Platz
Europameisterschaften Mannschaft 2019: 3. Platz
Nationale Erfolge: Schwedischer Meister Einzel Herren 2019, Schwedischer Mannschaftsmeister 2017 und 2019
Weltrangliste Herren September 2019: Nr. 81
Stärken: taktisch clever, das Spiel lesen, Vorhand
Schlägerholz: Stiga Carbonado 290.
Beläge: Stiga Mantra H
Vorbilder: J-O Waldner and Jörgen Persson zu ihrer besten Zeit. Timo Boll.
Hobbies: Zusammensein mit Freunden und der Familie

(Best of Truls Moregardh)
2011, 9 Jahre alt
gegen Marcos Freitas in der Champions League
Tribute zum 17. Geburtstag
EM Schüler Finale U15 2016 gegen V. Sidorenko
Europa Schüler Top-10 2916
Portrait mit Interview

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