Tischtennis in der Kindertagesstätte in Hannover

Jens FellkeAktuelles, Entwicklung, Früh AnfangenLeave a Comment

Mima Ito und Tomkazu Harimoto waren zwei Jahre alt, als sie anfingen Tischtennis zu spielen. Timo Boll war vier Jahre alt.
Nahezu alle Spieler, die heute in der Weltspitze sind, unabhängig davon, ob sie aus Europa oder Asien stammen, haben spätestens mit sechs Jahren angefangen zu spielen. Aber wenn man nicht danach strebt, ein Spitzenspieler zu werden, wie früh kann sich ein Kind für Tischtennis interessieren?

„Tischtennis ist ein perfekter Sport für Kinder in Kindertagesstätten“, sagt Nina Tschimpke, die das erfolgreiche „Mini-Athleten Projekt“ in Hannover, Niedersachsen, leitet.

In der Kindertagesstätte im Canaris Weg 2 in Hannover gibt es ein Spielzimmer von etwa 40 Quadratmetern. Heute geben Nina Tschimpke und der Landestrainer Oliver Stamler hier zwei Tischtennis Einheiten für zwei Gruppen von etwa zehn Kindern. Zu Beginn der Stunde werden alle Namen aufgerufen. Das Thema der Tischtennisstunde lautet „Schnee und Winter“. Die erste Übung dient dazu, den Tischtennisball kennenzulernen und ein Gefühl für ihn zu bekommen. Nina und Oliver erklären den Kindern, dass die Tischtennisbälle wie Schneebälle sind, sie müssen sie einander zuwerfen und versuchen, sie vorsichtig zu fangen.

Auf den Schneeberg klettern
Dann wird die Gruppe zweigeteilt. Die eine klettert auf den „Schneeberg“ (ein großer, dicker Turnteppich, der in einem Winkel zum Boden an die Wand gestellt wird, so dass er beklettert werden kann). Oben gibt es Ballons, die zum Boden gebracht werden müssen. Die Kinder gehen den Berg hinauf, holen sich einen Ballon und rollen vorsichtig auf der dicken, weichen Matte wieder nach unten oder gehen behutsam, auf ihr Gleichgewicht achtend, hinunter. Nach einigen Versuchen werden einige Kinder lockerer, schaffen es, schneller herunterzukommen oder den Ballon nach unten zu werfen. Kinetische Praxis.

Gleichgewichtstraining
Die andere Gruppe macht Gleichgewichtstraining. Sie haben einen kleinen Pinguin in der Hand. Sie sollen den Pinguin retten, indem sie ihn einige Meter entfernt auf den „Eisberg“ setzen. Um diesen Punkt zu erreichen, müssen sie jedoch über „Eisschollen“ laufen, ohne ins Wasser zu fallen. 
Danach bekommen die Kinder einfache Tischtennisschläger und schlagen die Bälle so, dass sie auf dem dicken weichen Teppich landen, der an der Wand steht. Die Kinder haben großen Spaß bei all diesen Aktivitäten und sie sehen entspannt und zufrieden aus, wenn die Stunde am Ende ist und sie zu ihren normalen Aktivitäten in der Kindertagesstätte zurückkehren. Nina und Oliver räumen das Spielzimmer auf. Jede Aktivitätsstunde dauert 45 Minuten, etwa 30 Minuten dauert das gesamte motorische und sensomotorische Training, ungefähr 15 Minuten sind Tischtennis-orientiert. Sie kommen zwölf Wochen lang einmal pro Woche in den Canaris Weg 2, aber nicht nur dorthin, sondern auch zu drei anderen Kindertagesstätten in Hannover.

Nina Tschimpke, Ergotherapeutin und die treibende Kraft im Mini-Athleten-Projekt in Hannover Fotos: Jens Fellke

Tischtennis Familie
Die Chefin, Nina Tschimpke, ist ausgebildete Ergotherapeutin. Sie ist Spezialistin für körperliche Aktivitäten des Menschen, für die Sensibilisierung des Körpers und hilft ihnen, eine natürliche Beziehung zu Bewegung aufzubauen. Bereits während ihres Studiums war sie sehr daran interessiert, Kinder im Alter von etwa fünf Jahren mit dem Sport vertraut zu machen. Und um dieses Interesse in Taten umzusetzen, war es für die ehemalige Tischtennisspielerin auf hohem Niveau (zweite Bundesliga in Deutschland) ganz natürlich, Tischtennis als Sport zu wählen.

Neue Rekrutierungsweise
Es war jedoch nicht leicht, jemanden zu finden, der Mittel verwenden wollte, um ein solches praktisches Projekt zu realisieren. Schließlich traf Nina Tschimpke Christiane Praedel, die Cheftrainerin des mit 100 000 registrierten Tischtennisspielern Niedersächsischen Tischtennisverbandes. „In Kindertagesstätten mit dem Tischtennisspielen zu beginnen, sah ich als eine neue Möglichkeit, dass Kinder Tischtennis kennenlernen und für unseren Sport zu gewinnen“, sagt Christiane Praedel. „In unserem Verband haben wir erkannt, dass wir unsere alten Strukturen ändern müssen. Früher haben wir den Rekrutierungsprozess für Kinder im Alter von sieben bis neun Jahren begonnen. Jetzt sind vier bis sieben Jahre alte Kinder unsere Zielgruppe. 

„Ich lehre sie etwa 16 Stunden. Dann gehen sie nach Hause und organisieren ihre eigenen Projekte.“

Nina Tschimpke

Mini-Athleten Kurse
Das Projekt namens Mini-Athleten startete im Januar 2016, und nach einem Jahr wurden gute Ergebnisse sichtbar: „Nach den zwölf Tischtenniseinheiten in der Kindertagesstätte wurden alle Teilnehmer zum TTVN-Stützpunkt in Hannover eingeladen, um mehr zu spielen. Wir waren der Überzeugung, dass etwa 25% von ihnen Interesse daran haben würden, weiter zu spielen, aber tatsächlich waren es viel mehr! “

Im Jahr 2018 wurde das Projekt erweitert. Nina Tschimpke lud Klubtrainer aus ganz Niedersachsen zu einem „Mini-Athleten-Kurs“ ein, in dem sie die pädagogischen Grundlagen der Arbeit mit Kindern in Kindergärten vermittelte. 30 Trainer waren damals anwesend und jetzt betreiben diese alle ihre eigenen Projekte in ihrer Umgebung. „Der Kurs geht über 16 Stunden“, erklärt Nina. „Danach gehen sie nach Hause und organisieren ihre eigenen Projekte. Sie schreiben Konzepte und versuchen, Kindergärten zu finden, die sich für das Projekt interessieren. Wenn ja, führen sie zwölf Einheiten in diesen Kindertagesstätten durch.“ Nina kommt häufig dorthin, um sich die Kinder anzuschauen. Danach laden die Trainer die Kinder und ihre Eltern dazu ein, den örtlichen Tischtennisverein, in dem sie das Training durchführen, zu besuchen.

Fantastisches Rekrutierungswerkzeug
Die 30 Mini-Athleten ausgebildeten Trainer haben 15 verschiedene Projekte durchgeführt. Insgesamt haben sie rund 300 Kindern Tischtennis nahegebracht. 200 von ihnen wollten in einem Verein weiterspielen. Das sind zwei Drittel, ein außergewöhnliches Ergebnis. Und etwa 50% derjenigen, die weitermachen möchten, sind Mädchen. Es werden noch mehr kommen. Die nächste Coaching-Schulung von Nina Tschimpke ist bereits ausgebucht.

„Unser Problem in Hannover mit dem ‚Mini-Athleten Projekt‘ ist, was passiert, wenn die Kleinen wirklich begeistert sind und mit TT weitermachen wollen.

Nina Tschimpke

Entscheidende Herausforderung
Trotzdem steht Nina Tschimpke vor einer Herausforderung. „Unser Problem in Hannover mit dem „Mini-Athleten Projekt“ ist der nächste Schritt. Was passiert, wenn die Kleinen wirklich begeistert sind und mit TT weitermachen wollen. Es gibt zu wenige Vereine, die gut genug organisiert sind und über genügend Kompetenz und Bereitschaft verfügen, Talente zu entwickeln. Meistens haben die Vereine wenig Ambitionen und es gibt niemanden, der sich um die Kinder kümmert. Und dann besteht das Risiko, dass das interessierte Kind dem Tischtennis seinen Rücken zukehrt und mit einer anderen Freizeitaktivität, einem anderem Sport beginnt. Wir arbeiten daran, diese Herausforderung zu lösen.“

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