„Möregardh wird der nächste Olympiasieger sein“

Jens FellkePortrait, SpielerportraitLeave a Comment

Mit zwei Goldmedaillen im Einzel bei den Weltmeisterschaften und einer bei den Olympischen Spielen ist Jan-Ove Waldner eine Ikone. Neben Ma Long ist er der beste männliche Spieler im modernen Tischtennis. Heute arbeitet er eifrig an einem anderen Traum – dem Waldner Cup, einer Tischtennis-Analogie zum klassischen Ryder Cup im Golf.

Jan-Ove Waldner, 57 Jahre alt und eine Legende in der in der Geschichte des Tischtennis. Foto: Jens Fellke

„Wir haben alles vorbereitet, es wird soooo gut werden. Alle großen Namen werden teilnehmen, es ist die Welt gegen China, ich gegen Liu Guoliang als Kapitän. Wir haben Weltstars der Popmusik, die uns unterhalten werden, wir haben E-Sport, berühmte Schauspieler, viele Fernsehsender, ja alles. Fast wie ein Super Bowl.“
Aber Waldner und das Team um ihn herum, das dieses aufregende Ereignis auf die Beine stellt, haben bisher auch viel Pech.
„Wir bereiten uns auf Oktober vor, und das ist das dritte Mal, aber China macht immer noch dicht. Es gab Covid usw. Ich hoffe das Beste, aber es scheint schwierig zu sein, das letztendlich durchziehen zu können.“


Viel Beinarbeit

Wir treffen uns bei einem Mittagessen in der schwedischen Hauptstadt Stockholm, nicht weit von Waldners Wohnort entfernt. Als Spieler war er erstaunlich gut darin, sein Spiel bei den größten Anlässen zu perfektionieren. Sechsmal stand er bei den Weltmeisterschaften im Einzel im Halbfinale oder besser, 1997 gewann er ohne einen einzigen Satz während des gesamten Turniers zu verlieren! Dreimal erreichte er das Halbfinale oder besser bei den Olympischen Spielen, die er 1992 in Barcelona gewann. Wie hahast du dich vorbereitet, um jeweils in einer solchen Form zu sein?

„Einige Monate vorher habe ich angefangen, mich darauf zu fokussieren und hart zu trainieren, bis kurz vor dem Wettkampf, wo ich dann etwas runterfuhr. Ich bin mehr oder weniger jeden Tag gelaufen. Ich wollte nicht nach einem langen Ballwechsel am Ende eines wichtigen Satzes gegen Ende eines Turniers außer Atem sein. Ich habe immer viel über den Aufschlag und den ersten Angriff gewonnen. Der Schlüssel zu meiner besten Form war also immer die Beinarbeit. Also habe ich sie unglaublich viel trainiert. Wenn ich es schaffte, in 10-15 Minuten dauernden Übungen 85% des Tisches mit der Vorhand abzudecken, wusste ich, dass ich in guter Form war. Und schwer zu besiegen.“

Waldner in Action

Weniger Raffinesse

2005 bei den Weltmeisterschaften in Shanghai, China, verlor Waldner in der dritten Runde gegen Samsonov. Das war sein letzter Auftritt bei einem internationalen Turnier. Was ist das Wichtigste an der Entwicklung des Sports seither?

„Als ich in meinen besten Jahren war, hatte der Ball nur einen Durchmesser von 38 mm, und Anfang der 2000er Jahre wurde er auf 40 mm umgestellt. Dadurch ging die Raffinesse verloren. Das ganze Spiel wurde maschinenartiger, die Spieler waren viel kräftiger. Heute spielt man näher am Tisch, es ist selten, dass ein Spieler „fischt“, also vom Tisch weg spielt. Das ist weniger unterhaltsam.
Das Rückhand-Rückhand Spiel ist total dominant, es gibt dadurch weniger Feinheiten. Deshalb mag ich meinen Landsmann Truls Möregardh. Er serviert mal aus der Mitte des Tisches, presst beim Rückhandblock hart, spielt seien Vorhand Topspins mal mit viel Seitschnitt. Er ist kreativ und bricht Muster. 
Und er ist mutig in ausgeglichenen Situationen. Ich denke, er wird die Olympischen Spiele in Paris gewinnen.“


Ratschläge für die Jüngeren

Truls Möregardh ist noch recht jung, erst 20. Was rätst du wirklich jungen Spielern, die von einer Karriere wie seiner – oder deiner – träumen?

„Es ist jetzt ganz anders. Als ich jung war, konnte man einige Schwächen in seinem Spiel haben, aber jetzt nicht mehr. Man muss komplett sein, man muss alle Aspekte des Spiels abdecken. Im Allgemeinen bin ich der Meinung, dass junge Spieler zu hart mit dem Ball umgehen. Man muss den Ball und die Schläge kontrollieren können, man braucht ein sehr ausgefeiltes Timing bei den Schlägen und man muss sich sehr schnell bewegen können.

Ich glaube auch, dass lange, schnelle Aufschläge in Zukunft die neue Normalität sein werden – als Folge des stark weiterentwickelten Rückschlagspiels und der Fähigkeit, die meisten auf einen zukommenden Angriffsschläge direkt gegenziehen zu können. Natürlich sollte nicht jeder Aufschlag lang sein, denn dann würde der Gegner einfach ein bisschen weiter weg vom Tisch stehen und leicht angreifen können. Aber ich denke, dass zwei von fünf Aufschlägen lang und sehr schnell sein werden.“


Zwei GOATs

Als ich behaupte, dass Ma Long nach seinem dritten Gold im Einzel bei der Weltmeisterschaft und seinem zweiten Einzelgold bei den Olympischen Spielen Waldner als GOAT (Greatest Of All Time) im männlichen Tischtennis abgelöst hat, verrät Waldners Antwort sein positives Denken und seine Abneigung zu verlieren:

„Kaum jemand, wenn überhaupt jemand, weiß mehr über Tischtennis als Liu Guoliang, der Präsident des chinesischen Verbandes und ehemalige Weltmeister und Olympiasieger im Einzel. Er hat mir einmal gesagt: ‚Ma Long ist der GOAT mit dem großen Ball – und ich sei der GOAT mit dem kleinen Ball.'“


Unter den folgenden Youtube-Links findet ihr einige der wichtigsten Spiele von Jan-Ove Waldner:
Einzel-Finale gegen Jörgen Persson bei der WM 1989 in Dortmund
Einzel-Finale gegen Vladimir Samsononv bei der WM 1997 in Birmingham
Einzel-Finale gegen Jean-Philippe Gatien bei den Olympischen Spielen 1992 in Barcelona
Team-Finale bei der WM 2000 in Kuala Lumpur
Einzel-Finale gegen Kong Linghui bei den Olympischen Spielen 2000 in Sidney

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