Lleyton wird immer schneller

Jens FellkePortrait, SpielerportraitLeave a Comment

Lleyton Ullmann ist zurzeit in seiner Altersgruppe (geboren 2006) die Nummer 1 in Deutschland. Lleyton trainiert intensiv, vor allem mit compass Trainer Oliver Alke. Darüber hinaus hat Mario Amizic die beiden zwei Jahre lang fast jeden Monat für ein paar Tage betreut.

Lleyton Ullmann aus Hamburg.

„Ja, und dann machen wir meistens eine Menge Beinarbeitsübungen”, erzählt Lleyton. „Die sind sehr hart, machen aber trotzdem Spaß.“ 

Für Amizic gehört Schnelligkeit zu den wichtigsten Fähigkeiten eines Tischtennisspielers, so wichtig wie Technik. Er meint damit nicht das harte Spiel, sondern die Fähigkeit sich schnell zu bewegen. Wer sich nämlich schnell bewegen kann, gewinnt Zeit, um alle Schläge präzise, sicher und ohne Zeitdruck auszuführen. Die meisten jungen Spieler in Europa besitzen diese Fähigkeit nicht. Verglichen mit den besten jungen Spielern aus China, Japan oder Korea, bewegen sich die Europäer langsamer, d.h. sie spielen insgesamt langsamer und bewegen auch ihre Körper und Arme langsamer.

Stärker, schneller, tougher
Genau deshalb arbeitet Lleyton im Training an seiner Schnelligkeit mit relativ leichten Drills, wie z.B. 2-Punkt Vorhand–Vorhand und Vorhand über 2/3 des Tisches. Die Ausführung geschieht in hohem Tempo, und mit relativ harten Vorhand Topspins. Auch soll er versuchen, einen Punkt zu machen, sobald er im Ballwechsel eine Möglichkeit dazu sieht.

Mario Amizic und Oliver Alke diskutieren Lleytons Vorhand. Foto: Jens Fellke, compass

„Es handelt sich nicht nur um Wiederholung” sagt Oliver Alke, „Jeder einzelne Ballwechsel soll dazu beitragen, daß Lleyton das Gefühl dafür bekommt, wann und wie er sein Spiel variieren und damit kreativ sein kann. „Wir machen diese Übungen oft und in langen Intervallen“, erklärt Alke weiter. „Einerseits ist es vielleicht etwas langweilig, anderseits ist es ganz offensichtlich, dass diese Übungen Lleyton stärker, schneller und sicherer machen, was besonders gegen ältere und stärkere Gegner von Bedeutung ist. Und das wirkt sich auch auf den Kopf aus. „Er wird dadurch auch psychisch stärker,” meint sein Trainer.

Wichtige Merkmale
Jasmin Kersten, Oliver Alkes Assistentin am Hamburger Tischtennis-Verband, hatte Lleyton bei einem Training entdeckt. Sie schlug Oliver vor, sich Lleyton einmal anzuschauen. “Ich sah sofort, dass er ein interessanter Spieler sein könnte, aber es dauerte eine Weile, bis ich sein spielerisches Potential erkannte. 

Alke besuchte ein Turnier, an dem viele junge Spieler aus Schulen und Vereinen, die noch nie an einem Turnier teilgenommen hatten, teilnahmen. Lleyton war auch dabei: „Obwohl er dann das Finale verlor, zeigte er großen Siegeswillen, was einen Teil eines Talents ausmacht.“

Nach einigen individuellen Trainingsstunden, erkannte Alke noch andere wichtige Eigenschaften bei Lleyton: „Dafür, dass er fast noch Anfänger war, bewegte er sich sehr gut und spielte mit körperlichem Einsatz. Er bekam schon relativ viel Rotation in den Ball, war entscheidungsfreudig und wusste wann er mehr oder weniger hart spielen sollte, um den Ball auf den Tisch zu bekommen.“

Alle Dimensionen kennenlernen
Und Lleyton lernte schnell. „Bei unserem ersten 45-minütigen Training gelang ihm schon sehr viel: z.B. wie er beim VH-Topspin Hüfte und Armeinsatz koordinieren sollte. Wir konnten sofort mit Drills anfangen und ich dachte: dieser Junge hat Potential.“ 

Und noch eine wichtige Sache: Lleyton wollte wirklich alle Dimensionen des Spiels verstehen. Man musste ihn nicht mit irgendwelchen Belohnungen zum Training locken. Er wollte alles selber entdecken. Wenn Alke ihm z.B. im Internet Tricks von Profispielern zeigte, schaute Lleyton abends diese Videos immer wieder an. Und seine Neugier wächst täglich. Lleyton nimmt jede Möglichkeit wahr, um neue Aufschläge und Rückschläge auszuprobieren.

Lleyton mit scharfem Blick, als er noch sehr jung war. Foto:


Talent Cup Sieger

Lleytons erster nationaler Erfolg kam im Mai 2016, beim Talent Cup in Düsseldorf, einer inoffiziellen Deutschen Meisterschaft für sehr junge Spieler. In der Jahrgangsklasse 2006 gewann Lleyton seine drei Gruppenspiele in der ersten und zweiten Runde ohne auch nur einen einzigen Satz zu verlieren. Im Halbfinale gewann er gegen Kevin Fu aus Baden Württemberg und zeigte sich auch im Finale seinem Gegner aus Hessen, Tyler Köllner, nach verlorenem erstem Satz am Ende mit 3-1 überlegen. „Mein erster Sieg bei einer Nationalen Meisterschaft“ sagte Lleyton zufrieden nach diesem Turnier.

2017 wiederholte er diesen Erfolg und gewann den Talent Cup zum zweiten Mal.

Schnelligkeit mit Technik kombinieren
Viel wichtiger noch als solche Siege ist aber die langfristige Entwicklung von Lleytons Spiel. Woran sollte Lleyton jetzt arbeiten, um in fünf Jahren richtig gut zu spielen? Sein Trainer, Alke und dessen Mentor, Amizic, fokussieren auf Schnelligkeit und Technik und auf Drills in denen diese Fähigkeiten kombiniert werden, um eine stabile Grundlage zu schaffen. Damit soll vermieden werden, daß später Fehler korrigiert werden müssen.

Zukunftsperspektiven
Amizic und Alke wissen, dass es schwierig sein kann, junge Spieler zu motivieren, auch viele fast gleiche Übungen und eher „langweilige” Drills zu machen. Diese sind jedoch für einen Spieler wie Lleyton absolut unabdingbar, wenn er sein volles Potential ausschöpfen können soll. Bislang haben Lleytons Trainer es geschafft, den jungen Spieler zu motivieren, Lleyton ist begeistert von diesem Training und empfindet es auch nicht als langweilig. Er entwickelt sich ziemlich schnell und fühlt selbst, dass er Fortschritte macht.

Stolz und zufrieden. Pokal-Sieger TSV Sasel. Von links Fabian Otto, Lleyton Ullmann, Nils Winterberg und Joseph Nuri. Foto: Hamburger Tischtennis-Verband

Es wäre vielleicht sinnvoll für Lleyton einen Trainingsraum an seiner Schule einzurichten, in dem er morgens zunächst einmal, später mehrmals pro Woche trainieren könnte, um so seinen Trainingsumfang zu erhöhen. Dies würde seinen Trainern ein genaueres Bild von Lleytons Entwicklung vermitteln, und damit auch eine bessere Vorstellung von seiner möglichen Spielweise in vier bis fünf Jahren geben. Außerdem könnte Lleyton eine noch bessere Grundausbildung erhalten und sich eine Basis verschaffen, die ihn möglicherweise auf international hohes Niveau bringen könnte.

Der Kämpfer. Lleyton gewinnt ein hartes Spiel gegen Roman Vinogradov aus Russland bei den Swedish Junior and Cadet Open in Örebro, Februar 2019. Fotos: Jens Fellke

„Wir müssen uns, zusammen mit Lleyton, unter Berücksichtigung seiner physischen und psychischen Voraussetzungen, für ein Spielsystem entscheiden, das die Grundlage für seinen Spielaufbau im Wettkampf werden soll. Konsequenz und Geduld sind hier gefragt.“

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