Kaufmann überrascht Migot beim Masters

Jens FellkeAktuellesLeave a Comment

Foto: Fuhrmann

Plötzlich geschieht etwas im Inneren einer Spielerin, so dass sie ein Potential freimacht, das sie selbst überrascht, das ihr selbst unbekannt war. Genau dies erlebte die compass-Spielerin Annett Kaufmann am 29. August, als sie im Viertelfinale des Düsseldorfer Masters die Französin Marie Migot, Nr. 178 der Weltrangliste der Damen, besiegte.

Durchbruch für Annett Kaufmann beim Masters in Düsseldorf. Foto: Fuhrmann

Die 14-jährige Annett hat ihr Talent und ihr Leistungsvermögen schon häufig bewiesen. Die Württembergerin ist die Nr. 3 in der Welt in ihrem Jahrgang (2006). In der letzten Weltrangliste U-15 ist sie Top 10. Aber das ist im Nachwuchsbereich! In der Damen Weltrangliste sind 1160 Namen registriert, aber keine Annett Kaufmann – vorläufig. Trotzdem begann sie das Turnier am letzten Samstag im August mit einem Sieg relativ klaren 3-1 Sieg über ihre Landsmännin, die 5 Jahre ältere Yuki Tsutsui. Und dann kam das Spiel gegen Marie Migot – 11-5, 11-13, 11-8, 9-11, 12-10. 

Locker
„Ich hatte keine hohen Erwartungen vor dem Düsseldorfer Masters“, erzählt Annett. „Aber ich hatte schon gedacht, dass ich in der ersten Runde eine Chance gegen Yuki haben könnte. Ihre Noppen außen waren in vielen Phasen sehr unangenehm, aber meine Auf- und Rückschläge und mein erster Angriffsball waren eigentlich stabil gut. Ich agierte fast ungewohnt locker und als ich schließlich das Spiel gewonnen hatte, hatte ich das Gefühl, als ob ich das Ziel des Turniers erreicht hätte.“

Mit spielerischer Klasse und starken Nerven ins Halbfinale. Foto: Fuhrmann

Sensation gegen Migot
„Denn ich hatte ich nicht gerechnet damit, anschließend Marie zu schlagen, worauf ich richtig stolz bin. Es war wohl das beste Spiel meiner Karriere bislang. Ich hatte ziemlichen Respekt vor ihr, hat sie doch vor einem Jahr im Viertelfinale der Mannschafts Europameisterschaften den entscheidenden Punkt geholt, um Frankreich vor heimischer Kulisse überraschend ins Halbfinale zu bringen und damit die Qualifikation für die Olympischen Spiele zu schaffen.

Sie spielt mit sehr hohem Tempo und es dauerte eine Weile, bis ich mich im Match diesem anpassen konnte.“

Satzbälle gegen Mittelham
Im anschließenden Halbfinale verlor Annett in vier Sätzen (8,10,8,6) gegen die amtierende Deutsche Meisterin, Nina Mittelham, Nr. 39 der Damen Weltrangliste.  
Vollkommen ausgespielt, was den Ranglistenpositionen der beiden entsprochen hätte, wurde sie allerdings nicht.  Im zweiten Satz führte sie mit 10-6, konnte dann aber keinen Punkt mehr machen und musste den Satz noch mit 10-12 abgeben. 

Reifeprozess
Für Annett’s persönlichen Coach, Evelyn Simon, kam der Durchbruch in Düsseldorf absolut nicht unerwartet:

„Wir waren letzten Herbst zu einem längeren Trainingsaufenthalt in Japan und diese Reise brachte Annett viele Aha-Erlebnisse. Sie verstand, dass sie sich härter im Trainings belasten kann als sie selbst jemals geglaubt hatte. Diese Erkenntnis war ein Teil eines Reifeprozesses. Sie ist heute eine selbstständige und selbstbewusste 14-Jährige, die versucht, das Spiel zu steuern. 

Die Reise hat ihren Horizont erweitert und mehrere mentale Fenster geöffnet. Sie wagt es ihre Grenzen auszutesten, sie weiß was sie will und was sie tun muss, um weiterzukommen.“

Intensives Training in Ochsenhausen
Direkt im Anschluss an die überraschenden Leistungen von Düsseldorf fuhren Annett und Evelyn nach Ochsenhausen, um dort zu trainieren. Und dieser Aufenthalt wurde auch zu einer erinnerungswürdigen Erfahrung. Mit der Nr. 58 der Herren Weltrangliste, Vitor Ishiy aus Brasilien, der Nr. 1 und 7 der U-18 Weltrangliste, den Polen Samuel Kulczycki und Maciej Kubik oder der Nr. 25 der U-21, dem Franzosen Irvin Bertrand zu trainieren, war ein Erlebnis: „Ich habe in allen Trainingseinheiten gegen sehr gute Spieler trainiert. Die Trainingsintensität war riesig und ich musste die ganze Zeit alles geben. Es dauerte ein wenig, bis ich mich an das hohe Tempo gewöhnt hatte. Aber die Jungs hatten auch etwas Probleme auf meiner Rückhandseite durchzukommen“, erzählt Annett mit einem Lächeln auf den Lippen. „Und obwohl das Training sehr hart war, hatten wir trotzdem Spaß dabei!“ 


„Zufrieden mit meinem Einsatz“
„Die Trainer haben mich kaum korrigiert, aber ich bekam sehr gute Tipps, um meine Beinarbeit zu verbessern. Und das habe ich auch versucht, in die Praxis umzusetzen. Mit meinem Einsatz beim Training war ich sehr zufrieden, nicht zuletzt, weil ich es geschafft habe, die hohe Intensität in allen Trainingseinheiten durchzuhalten. Und alle in Ochsenhausen waren sehr nett und haben gesagt, dass ich zurückkommen kann“.

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