Interview mit Annett Kaufmann

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Annett Kaufmann ist 16 Jahre alt und wurde schon U15 und U21 Einzel-Europameisterin. Vor einer Woche in Belgrad (Serbien) wurde sie erneut Europameister, diesmal in der U19-Altersklasse. Im Alter von 15 Jahren hatte sie letztes Jahr in der deutschen Damen Nationalmannschaft bei den Europameisterschaften der Erwachsenen ihre Debut gegeben und konnte in Cluj Napoka sogar den Titel gewinnen. Sie ist ein großes Talent, aber gleichzeitig eine ganz normale junge Frau, die gerne mit Freunden außerhalb der Halle Spaß hat. Ihre Familie ist ihr sehr wichtig, sie versucht sich Schritt für Schritt weiterzuentwickeln und immer ihr Bestes zu geben. Nach den Jugendeuropameisterschaften, bei welchen sie zwei Gold- und eine Bronzemedaille gewinnen konnte, haben wir ihr 3+1 Fragen gestellt: Zum Turnier selbst, was sie für den Sommer noch geplant hat und welche Empfehlungen bzw. Ratschläge sie allen anderen jungen Talenten geben würde.

Jugendeuropameisterschaften 2022 – Annett Kaufmann bei der Siegerehrung des Einzelwettbewerbs der U19-Altersklasse. Foto: ETTU

Frage 1: Wie waren die Europameisterschaften für dich? Wie hast du sie erlebt?

„Die Europameisterschaft war auf jeden Fall spannend, vor allem weil es meine aller erste war, die ich in der U19 Konkurrenz gespielt habe. Ich war definitiv aufgeregt und manchmal konnte man es auch vielleicht am Anfang von jeder Konkurrenz bzw. von jedem Spiel sehen, jedoch wurde ich im Nachhinein lockerer und konnte auch freier vom Kopf spielen. Auch war eine gewisse Erwartung von mir selber da, die ich eigentlich ziemlich gut in dem Sinne „vergessen“ konnte, da ich wusste, dass es mich nur stressen und mir nicht helfen wird. Darauf bin ich auch stolz, dass ich damit umgehen konnte und natürlich hat mir dort auch Lara und die Menschen um mich herum, wie Familie, Evelyn (compass Expert Trainerin) und Sönke (Sport Direktor von des Baden-Württembergischen Tischtennis Verbandes) geholfen. 

Zudem war ich auch gespannt auf das Mixed von Iulian und mir, sowie das Doppel von Elena und mir, weil ich zuvor noch nie mit den beiden gespielt habe und ich einfach das auf eine Art „genießen“ wollte. 

Im Endeffekt bin ich sehr zufrieden mit dem Mixed und es hat mir definitiv Spaß gemacht mit Iulian zu spielen und auch, dass wir trotz holprigem Start zusammen Seite an Seite gekämpft haben. Beim Doppel war es etwas schade, aber man muss einfach zugeben, dass das andere deutsche Doppel (Mia Griesel / Lea Lachenmayer) wirklich gut gespielt hat und sie diesmal besser waren. Jedenfalls war die Zeit auch außerhalb der Spiele extrem cool und witzig und ich konnte beide Konkurrenzen genießen und es hat definitiv Spaß gemacht.

Der Team-Wettbewerb war definitiv auch bitter und schade, aber ich bin trotzdem glücklich über die Bronzemedaille und stolz auf unsere Leistung. Im Einzel habe ich eigentlich gut gespielt und konnte meistens so spielen, dass der Gegner kaum sein Spiel durchbringen konnte, sodass ich immer die Chancen genutzt habe. Sowohl das Halbfinale als auch das Finale war definitiv schwierig, da beide einen etwas unangenehmen Stil für mich spielen (vor allem Wiktoria Wrobel, die Gegnerin im Halbfinale).

Insgesamt bin ich trotzdem happy, dass ich das Turnier gewonnen habe, weil ich dadurch zusätzlich mehr Selbstbewusstsein tanken konnte.“

Gold gab es für Annett auch im Mixed zusammen mit dem Rumänen Iulian Chirita. Foto: ETTU

Frage 2: Was waren die besten und wichtigsten Momente während des Turniers?

„Ich glaube, die besten Momente waren, als diese gewisse „Erleichterung“ kam. Nachdem ich einerseits Gold im Einzel bzw. Mixed mit Iulian geholt habe, andererseits auch generell knappe Spiele für mich entscheiden konnte, fiel jeweils danach dann die Anspannung ab, da das schwierige Spiel in dem Sinne für mich zu Ende war. Aber eigentlich waren die besten Momente auch außerhalb des Tisches: Meine Freunde wiedersehen zu können, mit ihnen Zeit zu verbringen, zu lachen, zu reden, und alles was man halt so macht. Zudem habe ich auch meine beste Freundin, Julie Van Hauwaert aus Belgien, wiedergesehen. Das hat mich natürlich auch glücklich gemacht.“

Annett in Aktion bei der Jugend-EM 2022. Foto: ETTU

Frage 3: Was ist dein Plan für den Rest des Sommers und was sind deine Ziele für den Rest des Jahres?

„Jetzt stehen erstmal die Vorbereitungen für die Europameisterschaften der Erwachsenen in München an und danach wahrscheinlich Damen-Turniere. Natürlich fängt auch irgendwann die Saison an und davor gibt es wahrscheinlich eine kleine Vorbereitung, falls Zeit bleibt. Sonst habe ich mir eigentlich keine richtigen Ziele gesetzt. Ich probiere mich auf die Sachen zu konzentrieren, die noch verbessert werden müssen und genieße einfach die Zeit. Ich bin offen für alles und werde überall mein Bestes geben und dann einfach das Ergebnis akzeptieren, auch falls es nicht das ist, was ich mir vielleicht erhofft habe.“


Zusatzfrage: Hast du irgendwelche Empfehlungen bzw. Ratschläge für die jungen compass Talente?

„Konzentriert euch auf euch selbst und geht euren eigenen Weg. Nur weil der Weg vielleicht nicht der ist, den alle gehen, heißt es nicht, dass er schlecht ist. Alles braucht Zeit und wird dann kommen, wann es kommen soll. Hört nicht auf zu träumen und vergleicht euch nicht, denn Erfolg kommt und geht.“ 


Vielen Dank für das Interview, Annett! Viel Spass und viel Erfolg auf deinem weiteren Weg!

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