Ich muss stabiler werden

Jens FellkeAktuelles, Portrait, SpielerportraitLeave a Comment

Wie sieht eine normale Woche im Leben eines compass-Spielers aus?
Darüber berichten wir in einer Reihe von Artikeln.


Als Erster berichtet der 14-jährige Schwede David Björkryd aus Eskilstuna, einer Stadt mit 110 000 Einwohnern, die 90 Kilometer westlich von Stockholm liegt.

Ich und Nova, unsere Katze. Fotos: Privat

Freitag, 2. Oktober

Ich spiele ja für Eskilstuna BTK und am frühen Morgen habe ich zum ersten Mal mit Doyen trainiert, einem unserer Neuzugänge. Ich glaube, er ist Franzose. Oder vielleicht Portugiese. Ziemlich gut jedenfalls. Wir haben kurz nach sieben Uhr angefangen zu trainieren und dann bin ich von zehn bis zwei Uhr in die Schule gegangen. Danach hatte die gesamte 1. Mannschaft Training, weil am Samstag das erste Meisterschaftsspiel sein sollte. In diesem Jahr spielen wir in der Superettan. Das ist die Spielklasse unter der höchsten Liga in Schweden. So hoch haben wir noch nie gespielt. Beim Training waren außer mir noch Hampus Söderlund, Doyen, Charlie Carlsson und Dezsö, der schon seit vielen Jahren in Eskilstuna lebt, aber aus Ungarn kommt. Außerdem waren Selma und Rikke von der Damenmannschaft dabei. Rikke ist Norwegerin.

Wir machten einige Übungen und Spiele. Dann versuchten wir herauszufinden, welche Doppelpaarungen für die Spiele am Wochenende am besten geeignet wären. Alle spielten mit allen. Dann fuhren wir nach Hause, um Sushi zu essen. Alle in der Mannschaft übernachteten bei uns zuhause. Meine Schwester musste bei Freunden schlafen, damit wir alle Platz hatten.

Ich spiele im Verein Eskilstuna BTK. Es war viel Media Interesse vor den ersten Spielen dieser Saison. Ich spiele in der Superettan, der zweiten Liga in Schweden. Unsere Damen spielen in der ersten Liga.

Wochenende 3./4. Oktober

Ich habe noch nie in der Superettan gespielt und es hat sich ein wenig anders angefühlt als in den letzten Jahren, als wir in einer niedrigeren Liga waren. Es war sehr schön in der Halle. Sie hatten die Halle mit Gardinen abgeschirmt, so dass sie sich viel kleiner anfühlte und man bekam kostenloses Mineralwasser. Es gab einen richtigen Sprecher und ordentliche Lautsprecher. Das war noch anders, als wir voriges Jahr Erster in der Division 1 wurden.

Unsere Mannschaft spielte sich ein, doch dann wollte ich alleine sein und mich konzentrieren. Dann schlief ich kurz ein. Ca. eine Stunde und 15 Minuten vor dem Spiel fingen wir an, uns aufzuwärmen. Ich habe mich so um die 45 Minuten eingespielt und dann 15 Minuten ausgeruht. Ich musste im ersten Spiel an den Tisch. Früher habe ich das nicht gemocht, aber jetzt war das ganz in Ordnung. Ich war überhaupt nicht nervös. Ich verlor meine beiden Spiele im Entscheidungssatz und wir verloren 3-6 gegen Rekord, die im Vorjahr in der höchsten Liga gespielt haben, aber abgestiegen sind. Wir verloren 4 Entscheidungssätze und gewannen nur einen. Das war bitter. Es fühlte sich so an, als ob wir genauso gut hätten gewinnen können – jedenfalls einen Punkt.

Am Abend vor dem Einschlafen dachte ich über meine Spiele nach. Gegen Jacob Peterson spielte ich gut in den beiden ersten Sätzen, die ich gewann. Variables Aufschlag-Rückschlag Spiel und Flip. Ich habe kurz gespielt und die Bälle weit raus in die Ecken gespielt. Bin voll drauf gegangen, wenn ich die Chance bekam und hab’ die Bälle früh genommen. Dann fühlte es sich so an, als ob ich aufhörte zu spielen. Ich verstehe nicht, warum das so ist. Es ist, als ob ich die Füße ein ganz kleines bisschen schlechter bewege und dann bricht alles zusammen. Ich verliere den Druck. Ich werde passiv, gehe vom Tisch weg, werde passiv und gebe den Ball nur zurück. Das reicht nicht.

Gegen Orantes lag ich 2-0 hinten. Ich kämpfte mich zurück, aber im Entscheidungssatz war es genauso wie im ersten Spiel. Es ist so, als ob mich irgendetwas bremst, wenn ich dabei bin zu gewinnen. Als ob ich zu mir selbst sage, ’ganz ruhig David, du gewinnst, du führst ja, es macht nichts, wenn du diesen Satz verlierst’. Aber wenn ich dann mit meinem aggressiven Spiel aufgehört habe, ist es schwer, wieder reinzukommen. Ich muss wohl lernen, das ganze Spiel bis zum Ende konzentriert zu bleiben, nicht nur in einigen Sätzen. Ich muss stabiler werden.

Am Sonntag gewannen wir jedenfalls gegen die zweite Mannschaft von Lyckeby mit 6-2. Ich habe ein Spiel gewonnen und eins verloren. Ich denke aber, ich hätte beide gewinnen müssen. Ein 1-3 Gesamtergebnis für das Wochenende ist nicht so gut. Hätte ich es geschafft, alle Spiele durchzuspielen, hätte ich alle vier gewinnen können – oder mindestens zwei oder drei.

Unterwegs zum Training

Montag, 5.Oktober

Ich trainierte nicht wie sonst am Morgen. Ich joggte aber und es war schön, nicht zu trainieren, da ich in der Schule in allem hinterher hänge. Es ist in den meisten Fächern nicht so schwer aufzuholen, jedenfalls in Mathe, Schwedisch und Englisch. Aber nicht in Deutsch. Wenn die anderen etwas Neues in Grammatik durchgenommen haben und ich habe das verpasst, verstehe ich ja nichts mehr. Dann muss ich mich wirklich reinknien, sonst hole ich das nicht mehr auf. In Schwedisch lesen wir ein Buch – Sternlose Nächte. Das handelt von einem Jungen, der gezwungen wird, seine Kusine zu heiraten.

Auch in Gemeinschaftskunde und Naturkunde hänge ich hinterher. In Naturkunde las ich über Bewegung, Masse, Anziehung und Kräfte usw. Das hätte ich eigentlich am Wochenende tun sollen, aber am Samstag hatten wir ja ein Spiel und da wollte ich mich am Samstagabend nicht mit Schularbeit belasten. Ich finde aber, daß mir die Schularbeit leichter fällt. Früher habe ich mich in Sachen, die ich gelesen hab, festgebissen. Jetzt fließt alles leichter. Alles außer Deutsch.Als ich zur Schule kam, habe ich vor dem Unterricht mit einigen Klassenkameraden Billard und Tischfußball gespielt. Auch in den Pausen sind wir immer drinnen. Die meiste Zeit, die ich mit meinen Klassenkameraden verbringe, sind wir in der Schule. Wenn ich nicht dort bin, spiele ich ja meistens Tischtennis.

Mit meiner Familie beim Pizza essen, von links mein Bruder Adrian, meine Schwester 
Johanna, ich, Saga und Mutter Karin. 
Hier sind wir in unserer Sommerhütte in der Nähe von Eskilstuna. Vielleicht sieht 
man, dass ich das Ludo-Spiel gegen meine Mutter und Johanna nicht gewonnen habe. Mein Vater Martin hat die Fotos gemacht.

Dienstag, 6. Oktober
Am Morgen habe ich mit Dezsö trainiert. Ich habe viel Rückhand Angriff trainiert. Am Wochenende spielte ich nicht hart genug mit der Rückhand. Das funktioniert nicht. Ich muss mich trauen, fest zu ziehen. Ich spielte abwechslungsreich und sehr unterschiedlich auf seine Rückhand. Die ist ziemlich unangenehm, die Bälle kommen unterschiedlich. Mal lang, mal kurz und mit flachem Absprung und wenig Unterschnitt. Ich habe alle meine Rückhandbälle ins Ziel gebracht. Damit war ich zufrieden und es fühlte sich richtig gut an.

Danach ging ich zur Schulkantine zum Essen mit meinen Klassenkameraden. Fischfrikadellen. Richtig, richtig gut – ist sonst nicht so. Dann hatten wir Naturkunde, einen Check Point, also eine kleine Prüfung. Ich besuche eine Schule, an der aller Unterricht in Englisch gehalten wird. Deshalb heißt das Check Point. Ich fand nicht, dass ich genügend vorbereitet war, habe den Test aber trotzdem mitgeschrieben. Sonst hätte ich am Nachmittag länger in der Schule bleiben müssen und das wollte ich nicht. Ich muss mich ja vor dem Training ein bisschen ausruhen und etwas essen. Die Prüfung war aber supereinfach. Das hatte ich nicht erwartet. Aber manchmal mache ich das so, bereite mich ein bisschen zu wenig vor. Meistens geht es aber auch so gut.

Gespräch mit David
Jens Fellke


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.