Fu Yong arbeitet hart, um für die Zukunft etwas aufzubauen

Jens FellkeAktuelles, Portrait, TrainerportraitLeave a Comment

Acht Monate ohne Ferien. Sieben bis acht Stunden jeden Tag in der Halle. Eine Pandemie, die die Saison holprig und unvorhersehbar gemacht hat. Fu Yongs erste Saison als Headcoach des TTF Liebherr Ochsenhausen hätte auch runder laufen können. Aber er beschwert sich nicht.
”Die meisten Vereine kaufen Topspieler ein, um Spiele in der Bundesliga zu gewinnen. In Ochsenhausen bauen wir diese Spieler selber auf. Es ist eine großartige und inspirierende Herausforderung!”

Fu Yong mit seinen Jungs des TTF Liebherr Ochsenhausen Saison 2020/2021. Von links Simon Gauzy, Kanak Jha, Hugo Calderano, Fu Yong, Maciej Kubik und Samuel Kulczycki. Foto: privat

Fu Yongs Saison endete vor kurzem, als Saarbrücken es schaffte, den TTF mit 2:0 im Halbfinale der Bundesliga Playoffs zu besiegen. Es hört sich klar an, war es aber nicht. Im ersten Halbfinale hatte TTFs Samuel Kulczycki im dritten Einzel einen Matchball im Entscheidungssatz gegen Patrick Franziska, der das ganze Teammatch beendet hätte. Falls der junge Pole, geboren 2002, diesen einen Ballwechsel gewonnen hätte, hätte Ochsenhausen das erste Halbfinale mit 3:0 gewonnen. Danach verlor Ochsenhausen auch die zwei weiteren Spiele mit zwei Punkte Unterschied im fünften Satz. Dadurch drehte Saarbrücken das ganze Match und gewann mit 3:2. Im Rückspiel verlor Ochsenhausen wieder zwei Fünfsatzspiele und auch das gesamte Spiel wieder mit 3:2.

Kulczycki hat überrascht

„Ok, wir haben zwei enge Halbfinals gegen ein sehr starkes Team mit Franziska, Jorgic und Shang Kun verloren. Insgesamt bin ich trotzdem mit dieser Saison zufrieden. Simon Gauzy hat generell eine große Verantwortung übernommen und unsere jungen Spieler wie Samuel Kulczycki und Maciej Kubik haben sich weiterentwickelt. Samuel hat Spieler wie Aruna und Lebesson geschlagen und insgesamt eine Einzelbilanz von 7:7 vor den Playoffs gespielt. Natürlich haben er und Maciej noch Schwachpunkte. Aber wir arbeiten sehr hart. Nächste Saison wird es sehr interessant sein, diese talentierten Spieler zu verfolgen.“

„Die jungen sind immer noch Teenager, weshalb es ihnen natürlich an Erfahrung fehlt. Sie haben ihre physische Stärke noch nicht voll entwickelt, haben technische Dinge an denen man arbeiten muss und die Qualität ihres Aufschlag-/Rückschlagspiel muss verbessert und noch mehr an ihr Spielsystem angepasst werden“, so Yong.

Fu Yong, 1972 geboren, aufgewachsen in Jinan, Shandong Province, war Mitglied des chinesischen Nationalkaders, 
arbeitet seit 1996 als Spieler und Trainer in Deutschland. Jetzt Cheftrainer beim TTF Liebherr Ochsenhausen.

Etwas spät am Ball

Wenn man gegen hoch platzierte Weltranglistenspieler wie Falck oder Franziska spielt, ist es eine ganz andere Geschichte. 
„Sie spielen die Bälle kurz und flach über den ganzen Tisch. Oder sie schupfen aggressiv in die Ecken. Oder sie greifen mit einer harten oder weichen, aber immer sehr rotationsreichen Banane an. Das bringt die Jungs in Zeitdruck und erhöht die Unsicherheit. Sie wissen nicht, wohin der Ball kommt. Sie kommen ein wenig zu spät zu den kurzen Bällen, die beim Rückschlag dann ein paar Zentimeter steigen, was genug für einen tödlichen Angriffsball des Gegners ist. Sie haben auch Probleme, wenn der Gegner sehr variabel spielt.“

Aufgewachsen in Jinan

Fu Yong wurde in Jinan geboren, der Hauptstadt der Shandong Provinz, eine der besten Tischtennisgegenden des Landes, wo es mehr als 500 Spieler Profis gibt. Shandong ist das Zuhause von Spielern wie Zhang Jike und Li Xiaoxia. Mit zehn Jahren war Fu die Nummer drei im Einzel bei den regionalen Shandong Meisterschaften und wurde für das Provinzteam ausgewählt. 1988 spielte er die Italien Open für die chinesische Jugendnationalmannschaft und gewann den U21 Teamwettbewerb mit seinen Mannschaftskollegen. 1991-1996 war Fu Yong Mitglied der chinesischen Nationalmannschaft, zusammen mit Spielern wie Liu Guoliang, Kong Linghui, Wang Tao, Ma Wenge, und Qin Zhijian. Im September 1996 ging er nach Augsburg, um dort Bundesliga zu spielen, und seitdem ist er in Deutschland geblieben, wo er die letzten 25 Jahre als Spieler und Trainer gearbeitet hat. Die letzten sechs Jahre war er als Trainer in Ochsenhausen tätig, zuerst am Liebherr Masters College, und seit letztem Jahr als Headcoach für das Bundesligateam.

Zu Fu Yong Bestzeiten war Europa besser als China, was seit längerer Zeit nicht mehr der Fall ist.

Fu Yong mit seinem guten Freund Qin Zhijian, von 2006 bis 2017 Ma Longs personal Coach, und danach Head Coach für die Chinesische Herren-Nationalmannschaft. Foto: privat

Nicht genug Balleimertraining

„Ich denke die entscheidende Phase für die Entwicklung eines Spielers ist das Alter zwischen zehn und fünfzehn Jahren. Europa hat in diesem Altersbereich einen unterschiedlichen Ansatz. 
Es geht viel um Hand und Fuß. Die Hand, die fähig sein muss, flexibel zu sein und nahtlos zwischen Block, Kick, Topspin und Endschlägen wechseln können muss, abhängig von der Zeit, die einem zur Ausführung des Schlags zur Verfügung steht. Außerdem muss sie sich an diese Schläge anpassen können, je nach Tempo und Rhythmus, der natürlich davon abhängt, wie der Gegner den Ball spielt, aber auch abhängig von der Marke des Balles, da unterschiedliche Bälle unterschiedlich springen.“ 

Sich schnell in alle verschiedenen Positionen bewegen und dabei die Balance und Koordination behalten zu können, ist ebenso entscheidend. 

„Aus diesen Gründen macht in China ein Spieler im Alter von zehn bis fünfzehn Jahren, der einmal ein Spitzenspieler werden will, normalerweise zwei bis drei Stunden Balleimer-Training pro Tag. Zusätzlich noch ein paar Stunden reguläres Training am Tisch mit den Trainingspartnern.“

Die Balleimereinheiten machen den Spieler schneller und stärker und trainieren Dinge wie Ausdauer, Reaktion und Fitness.

„Die Anzahl Schläge während einer Einheit ist unglaublich viel höher als im regulären Training. Das Gleiche gilt für die Intensität. Aber auch der Trainer muss unbedingt kompetent sein. Der Trainer muss verstehen, wie er Techniken korrigiert, damit sie stabil werden und wie diese Techniken auch bei schnellen Bewegungen entsprechend genutzt werden können.“

Fu Yong am Balleimer. Foto: privat

Ersten drei Ballberührungen

Fu Yong denkt auch, dass Europa vielleicht nicht genug Fokus auf die ersten drei Ballberührungen während eines Ballwechsels im Alter von zehn bis fünfzehn legt: Der Aufschlag, Rückschlag und erster Ball. Viele Spieler können schöne Topspin-Topspin Rallyes spielen, aber das Spiel wird eben nicht dort entschieden.„Der mit dem besten Aufschlag-/Rückschlagspiel und derjenige, der dieses am besten an das eigene Spielsystem anpasst, gewinnt.“

Vater und Sohn beim Balleimertraining

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