Falck bereitet sich für eine weitere Sensation vor

Jens FellkeAktuelles, Portrait, SpielerportraitLeave a Comment

Der amtierende Vize-Weltmeister Mattias Falck ist ein Spätzünder. Aktuell bereitet er sich für die Olympischen Spiele vor. Sein Vorteil ist sein außergewöhnliches Spielsystem, welches zusätzlich noch sehr gut zum neuen ABS Plastikball passt. 

Er kann es kaum erwarten, in Japan zu landen. „An den Olympischen Spielen teilzunehmen, sie zu erleben, ist etwas Besonderes!“

Mattias Falck. Falck bedeutet Falke auf Schwedisch. Hier fliegt der Falke während des Spiels. Fotos: ITTF

Als compass Mattias Falck erreicht, befindet er sich in einem Hotelzimmer in Paris. Er, Kristian Karlsson, Jon Persson und Anton Källberg haben gerade einen Vorbereitungslehrgang für die Europameisterschaften und die Olympischen Spiele gemeinsam mit der französischen Nationalmannschaft. Mattias ist dankbar für die Abwechslung, in einer Stadt zu sein, die er nicht oft besucht, und mit Spielern zu trainieren, mit denen er sonst nicht trainiert. Als ich ihn frage, auf was er sich aktuell beim Training besonders konzentriert, zögert er zunächst etwas mit der Antwort.

Verbesserungspotential: Falck arbeitet viel an einer härteren Vorhanderöffnung.

„Es gibt vieles in meinem Spiel zu verbessern“, sagt er, was sehr bescheiden für jemanden klingt, der auf Weltranglistenposition Neun steht. „Ich bin gut in den Ballwechseln, aber da ich ja mit kurzen Noppen auf meiner Vorhand spiele, ist mein erster offensiver Ball manchmal zu langsam, was es etwas zu einfach für meine Gegner macht, auf diesen Ball hart anzugreifen und gegenzuziehen. Deshalb versuche ich meine Vorhand Eröffnungen zu verbessern.“

Mattias Falck kam unter die Top 100 im Oktober 2015. Im Juni 2019 war er in den Top 10, was schon etwas Besonderes ist. In den letzten sieben Jahren ist dies nur drei nicht-asiatischen SpielerInnen gelungen. Außer Mattias sind das Simon Gauzy und Hugo Calderano.

„Ob man es von Top 100 bis unter die Top 10 schafft, ist von vielen Dingen abhängig. Ich denke das Wichtigste ist der unbändige Wille, sich immer verbessern zu wollen. Und viel Spaß daran zu haben, sich als Spieler weiterzuentwickeln, damit man sozusagen die dafür notwendige, harte Arbeit auch genießt. Es ist auch wichtig, die entscheidenden Situationen in wichtigen Spielen zu mögen, nochmal besonders getriggert zu werden, wenn es 9-9 in einem Finale um eine Meisterschaft steht.

Die Waffe – Rückhand.

Für mich persönlich hat es einige Zeit gedauert zu reifen und mich an das Erwachsenentischtennis anzupassen. Meine Stärke war es immer, den Ball sicher auf den Tisch zu spielen. Um mich bei den Erwachsenen zu behaupten, musste ich sehr viel aggressiver werden und härter spielen, gleichzeitig aber auch eine hohe Grundsicherheit haben. Mit meinem Spielsystem kann ich nicht nur auf sicher spielen. Ich muss riskieren, aber natürlich möglichst wenige Fehler machen.“

Du hast es später in die Top10 geschafft als alle anderen, die gerade darin sind. Du warst fast 28. Hättest du dort auch früher sein können?

„Ich denke, jeder geht seinen individuellen Weg und es gibt immer viele Dinge, die Einfluss auf die Karriere haben. Ich kann mich glücklich schätzen, dass ich in jeder Phase meiner Karriere gute Trainer hatte – in Lyckeby, wo ich ausgebildet wurde, in Köping, wo ich aufs Tischtennisgymnasium gegangen bin, und in Halmstad wo ich danach hingezogen bin und wo ich jetzt seit über zehn Jahren lebe. Ich hatte immer Leute um mich herum, die mich unterstützt und an mich geglaubt haben, nicht zu vergessen natürlich meine Frau. Eine Sache, die ich bereue, ist, dass ich zu spät mit physischem Training/Krafttraining angefangen habe. In diesem Bereich habe ich noch viel Arbeit vor mir.“

Sensation in Budapest 2019. Falck steht im Endspiel bei der WM gegen Ma Long. 

Eine Sache ist es, die Top10 zu erreichen, eine andere, dort zu bleiben. Das ist dir bisher über fast zwei Jahre gelungen. Wie kommt das?

„Mein Material und damit mein Spielsystem ist ein großer Vorteil für mich: Kurze Noppen auf der Vorhand und ein normaler, griffiger Belag auf der Rückhand. Sehr wenige Spieler spielen mit dieser Kombination. Selbst wenn ich mehr von meinen Gegnern analysiert werden sollte, müssen sie trotzdem erst mal sehr viel gegen dieses Material und Spielsystem spielen, um sich daran zu gewöhnen. Und es gibt einfach nicht viele, die so wie ich spielen. Deshalb ist es immer noch sehr unangenehm für sie, dass der Ball mit sehr viel Vorwärtsrotation aus meiner Rückhand kommt und „normal“ springt, aber sehr viel flacher und mit umgekehrter Rotation aus meiner Vorhand. Sie sind einen komplett anderen Rhythmus gewohnt.“

Ist der ABS Plastikball ein Vorteil oder Nachteil für dich?

„Ein Vorteil. Ich bin ehrlich gesagt etwas überrascht, dass nicht mehr Noppenspieler auch bei den Männern hochkommen. Der erste Plastikball sprang sehr flach ab, was es fast unmöglich für mich machte, die Bälle zu schießen, wenn meine Gegner flache Topspins in meine Vorhand spielten. Weil meine Noppen im Vergleich zu normalen Belägen weniger griffig sind, kann ich nicht mit Topspin gegenziehen. Ich konnte ihn mehr oder weniger auf den Tisch zurück heben. Der ABS Plastikball springt etwas höher und hat weniger Rotation. Das macht es für mich möglich, mehr gerade nach vorne anzugreifen, d.h. härter und auch aggressiver.“

Die Olympischen Spiele sind nur noch wenige Wochen entfernt. Wie ist es, dort spielen zu können?

„Großartig! Es ist das größte Event für Tischtennisspieler, da es nur alle vier Jahre stattfindet. Man fühlt das in der Atmosphäre. Man wird nervös, auf eine sehr besondere Art. Ich habe in Rio 2016 teilgenommen, aber nur im Teamwettbewerb. Wir wurden von Südkorea im Viertelfinale geschlagen, wobei ich ein Einzel gewonnen, das Doppel aber verloren habe.“„Eine Olympiade als Spieler zu erleben ist etwas Außergewöhnliches. Ich war über zehn Tage im olympischen Dorf in Rio, bevor es mit den Wettkämpfen losging. Viele sagten, dass das nicht sehr klug wäre. Aber ich habe jede Minute genossen. Ich fand es richtig cool auf alle möglichen Leute zu treffen, manche von ihnen waren wirkliche Megastars.“ 

Und wie bereitest du dich vor?

„Wir werden uns mit vielen Lehrgängen vorbereiten. Dann hoffe ich, dass die Europameisterschaften im Juni wirklich stattfinden, damit wir zumindest ein großes Turnier davor haben. In Japan werden wir dann noch einen Lehrgang in Fukuoka haben, bevor wir etwa am 20. Juli ins Olympische Dorf ziehen.“

Du wirst unter den besten acht gesetzt sein. Besondere Wünsche für die Auslosung?

„Nein – es kommt, wie es kommt. Ich mache mir über so etwas keine Gedanken. Ich konzentriere mich auf das, was ich beeinflussen kann. Und das sind meine Spiele. Den Rest klammere ich aus.“

Falck hat es sich selbst und anderen bewiesen – man kann auch die besten Chinesen zu schlagen.

Und die Chinesen?

„Sie sind die Favoriten und sie sind natürlich sehr gut. Aber ich habe letztes Jahr Xu Xin geschlagen und hatte einen Satzball für einen siebten und entscheidenden Satz gegen Ma Long. Ich denke, sie respektieren mich. Ich muss am Tisch stark bleiben und sie in Zeitdruck bringen. Ich werde alles was ich habe reinlegen und kämpfen.“

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