Erfolgsfaktoren

– warum sind die Besten die Besten?



Absolute Weltklassespieler sind fast ausschliesslich auf Einzelinitiativen von Eltern, in selteneren Fällen durch engagierte Trainer, mit der Unterstützung von Landesverbänden und Bund, zurückzuführen. Es gilt aus den Erfahrungen derjenigen, die ganz nach oben gekommen sind, den für den Nachwuchsleistungssport bekannten wissenschaftlichen Fakten in Bezug auf das Bewegungslernen (s.u.) und der von compass durchgeführten empirischen Untersuchung die Konsequenzen zu ziehen. Die grosse Herausforderung liegt darin, dieses Wissen ins System umzusetzen – und zu handeln.


Was sagt die Wissenschaft?

  • Es gibt ein optimales Lernalter für motorische Entwicklung.
  • Die motorische Entwicklung ist abhängig von der Sensomotorik, dem Zusammenspiel der
    Sinnesorgane mit den motorischen Systemen.
  • Bewegungslernen findet besonders gut im frühen Kindesalter (2-8 Jahre) statt, weil dann die Voraussetzungen für Synapsen (Verbindungen) optimal sind und die Vernetzung von sehr vielen Gehirnzellen stattfinden kann, die später auch für kognitive Leistungen notwendig sind.
  • Neue Reize und Wiederholungen führen zur Bildung von Synapsen zwischen den Nervenzellen.
  • Eine große Anzahl von Synapsen geht allerdings verloren, wenn sie nicht in der besten Lernperiode häufig stimuliert werden.
  • Bereits ab 9-10 Jahren reduziert sich die Plastizität (Formbarkeit, Fähigkeit zu Änderungen) des Gehirns drastisch. Neue Bewegungsabläufe zu erlernen oder automatisierte zu verändern, wird von Jahr zu Jahr schwieriger.
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Synapsen bei Neugeborenen

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Synapsen bei Kindern im Alter von 2-8 Jahren

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Synapsen bei Kindern im Alter ab 10 Jahren

Fazit: das optimale Lernalter für motorisches Lernen ist 3-8 Jahre. Deshalb ist es äußerst günstig, so früh wie möglich mit dem Tischtennis zu beginnen.

Empirische Ergebnisse

compass hat europäische Weltranglisten Top 10 Spieler wie Boll, Ovtcharov, Waldner, Gatien, Saive, Rosskopf, Samsonov oder Persson, die das Welttischtennis zusammen mit den Chinesen über viele Jahre bestimmt haben, befragt. Diese hatten ein Durchschnittsalter von 5,32 Jahren, als sie begonnen haben, Tischtennis zu spielen. Alle europäischen Top 10 Spieler haben Medaillen bei Schüler- und/oder Jugendeuropameisterschaften gewonnen – sie waren schon früh sehr gut.

Während die besten asiatischen Herren mit 5,25 Jahren angefangen haben TT zu spielen, war das Durchschnittsalter bei den asiatischen Damen 4,5 Jahre. Diese Zahlen bestätigen die obigen wissenschaftlichen Aussagen. Die japanischen Weltklassespieler T. Harimoto und M. Ito (beide begannen mit 2 Jahren), die schon in sehr jungen Jahren einige der Allerbesten in der Welt besiegt haben, bestätigen die Theorie des „früh anfangen und viel TT-Spielen gibt Vorteile“. Auch Timo Boll, der 1985 als 4-jähriger begann, ist ein gutes Beispiel.

Natürlich gibt es immer Ausnahmen von den theoretischen und empirischen Erkenntnissen, jedoch hält compass diejenigen, die glauben eine solche Ausnahme zu sein, für optimistisch.

Warum sind die Besten die Besten?

1. Persönliche Merkmale der Top 10 Spieler

  • Tischtennis ist für sie eine Leidenschaft
  • Sie haben schon früh den Traum, die Vision, ganz oben auf dem Treppchen zu stehen
  • Sie ziehen die Konsequenzen aus den gesetzten kurz- und langfristigen Zielen im Hinblick auf Lebensstil und Training
  • Sie sind in der Lage, über lange Zeit mit hoher Qualität und Quantität zu trainieren
  • Sie verkraften Rückschläge, lassen sich nicht entmutigen
  • Sie denken positiv
  • Sie sind offen und immer bereit zu lernen
  • Sie suchen nach Expertise aus verschiedenen Bereichen der leistungsbestimmenden Faktoren
  • Da das für sie beste Trainingsmilieu nicht zu ihnen kommt, suchen sie dieses auf
  • Es besteht ein sehr gutes Vertrauensverhältnis zwischen ihnen und ihrem personal Coach, der/die ihr Trainer, Coach und BeraterIn ist

2. Spieler im Zentrum und personal Coach

Viele TT-kompetente Väter/Mütter oder Trainer haben (ebenso wie in anderen individuellen Sportarten und im Bereich der Kunst, Musik, Ballett usw.) sehr junge ambitionierte Kinder mit besonders großem Engagement unterstützt und gefördert.
compass nennt diese intensive und individuelle Betreuung durch eine Person eine „personal Coach“ Tätigkeit. Die allermeisten Topspieler neuerer Zeit (ab den 90er Jahren) hatten solch eine wichtige Person, einen Mentor, und sind u.a. deshalb sehr gut geworden. Einige haben absolutes Weltklasse Niveau erreicht.

Signifikant: eine Befragung aller europäischen Top 10 Spieler in der Welt hat gezeigt, dass sie schon in jungen Jahren einen personal Coach hatten. In Deutschland sind die Spieler Timo Boll, Dimitrij Ovtcharov oder Petrissa Solja die besten Beweise dafür.

Es gibt einen signifikanten Zusammenhang zwischen Entwicklung und Erfolg auf der einen Seite und einer intensiven Förderung und Betreuung auf der anderen Seite. Eltern/personal Coaches kennen alle Lebensbereiche eines Kindes, sowohl den sportlichen, schulischen als auch den sozialen Bereich. Ein Vertrauensverhältnis zwischen Kind und dem personal Coach ist eine unabdingbare Voraussetzung für eine fruchtbare Zusammenarbeit.

Entscheidend: Der personal Coach muss das Trainings- und später, das Wettkampfprogramm von der Motivation und den Zielen eines jungen Spielers abhängig machen. Sind diese hoch, sollen dementsprechend hohe Anforderungen an den Spieler/in gestellt werden, damit der Spieler seine Ziele erreichen kann. Nimmt die Motivation und die Bedeutung des Erreichens von Zielen ab, sollen auch die Anforderungen an den Spieler reduziert werden und die Betreuung des Spielers kann auf ein normales Niveau gesenkt werden.

Ein weiterer wichtiger Erfolgsfaktor ist die Zusammenarbeit des personal Coach mit allen anderen Personen im Umfeld des Kindes, d.h. mit Eltern, Lehrern, Vereinstrainern usw., später mit Landes- und Bundestrainern.

 

Dimitrij und Mikhail Ovtcharov. Foto: Privat

 

3. Rahmenbedingungen

Ein 4-6-jähriges Kind sollte die Möglichkeit haben, täglich spielen zu können. Trainingspartner wie Mutter, Vater, Geschwister tragen dazu bei, dass die spielerische Entwicklung eines Kindes 3-4 x schneller vor sich geht als beim Training mit Kindern gleicher Spielstärke. Auch im späteren Entwicklungsprozess sind Intensität und Qualität von allergrößter Bedeutung.

Die jungen Kinder benötigen Eltern, die die Anforderungen, die an sie selbst und das Kind, das schon früh den Traum hat, sehr gut zu werden, verstehen und akzeptieren. Sie benötigen Eltern, die sie unterstützen und ihnen die Möglichkeit zu einem Spiel- und Trainingsumfang geben können und wollen, das dem Alter angepasst ist: 5-jährige: 5 Stunden pro Woche; 6-jährige: 6-7 Std. pro Woche; 7-jährige: 8-9 Std pro Woche; 8-jährige: 9-10 Std.; 9-jährige: 11-12 Std. pro Woche; 10-jährige 12-14 Stunden pro Woche.
Um mit Gleichaltrigen anderer Länder mithalten zu können, sollte diese Spiel- und Trainingsbasis vorhanden sein.

Äußerst wichtig! Das Kind soll nicht von den Eltern oder einem Trainer gezwungen werden, zum Training zu gehen. Das Kind muss es selbst wollen, von der Möglichkeit wissen und fragen, ob es zum TT-Spielen gehen darf.

Ein Kind das häufig TT spielt, wird sich schnell verbessern. Etwas gut zu beherrschen, gibt jedem Menschen Erfolgserlebnisse. Diese positiven Erfahrungen erhöhen in der Regel die Freude am Spielen und sind die beste und gesündeste Motivation.

Ein oder beide Elternteile mit TT-Kompetenz oder ein engagierter Trainer (personal Coach), der die an anderer Stelle der Website beschriebenen Eigenschaften, Kenntnisse und Fähigkeiten besitzt (Der gute Trainer; 7-Faktor Profil), ist unabdingbar.

Ein „Geheimnis“ des Erfolges ist es, von Anfang an die richtigen Dinge zum richtigen Zeitpunkt mit den richtigen Personen zu tun. Und weil das für den Einzelnen optimale Umfeld zur Weiterentwicklung in der Regel nicht zum SpielerIn kommt, ist es äusserst wichtig, daß der SpielerIn im Alter von 13 – 15 Jahren zusammen mit dem personal Coach dieses findet und es aufsucht!