Ding-dong, ping-pong

Jens FellkeEntwicklung, Früh AnfangenLeave a Comment

Er ist einer von denen, die beim jungen Jörg Rosskopf, dem späteren Europameister im Einzel und Weltmeister im Herrendoppel, die Leidenschaft für Tischtennis entfacht haben. Heute begeistert Horst Heckwolf Vorschulkinder für den kleinen weißen Ball. Und man sollte sich nicht wundern, wenn er dabei zukünftige Topspieler/innen entdeckt.

Horst Heckwolf steht in einem Raum in einer Kita in Hessen mit ca. 14 Kindern um sich herum. Er hat ihnen gerade erklärt, wie man einen Tischtennisschläger richtig hält. Der nächste Schritt ist: was ist Vorhand und was Rückhand? Horst zeigt es, senkt die Stimme und nahezu flüstert: “Rückhand“. Er fordert die Kinder auf, nachzusprechen, was er gesagt hat. Und das machen sie. „Ich höre nichts“ sagt er und hält eine Hand hinter das rechte Ohr. „RÜCKHAND“ rufen die Kinder. Horst führt nochmals die Hand hinters Ohr. „R-Ü-C-K-H-A-N-D“ schreien die Kleinen so laut sie können und brechen anschließend in lautes Gelächter aus. 

Rückhand

Horst Heckwolf ist ein Meister darin, die Herzen kleiner Kinder für den Tischtennissport zu gewinnen. Viermal pro Woche besucht er Kitas in seiner Heimatstadt Münster (Hessen), um mit den Kindern zu spielen.

Frau Geist, Leiterin der Kita.

Die Leiterin der Kita, Frau Geist, schüttet Superlativen über Horsts Tätigkeit aus:
Wir arbeiten viel damit, dass die Kinder in Bewegung sind, sowohl drinnen wie draußen. In Horsts Stunden üben die Kinder zuzuhören, zu sprechen und zu beobachten. Die Konzentration wird verbessert, sie lernen Regeln zu folgen und geduldig zu sein, wenn sie mal warten müssen. Und ihre motorischen Eigenschaften werden gefördert. Was Horst hier macht, stimmt perfekt mit unseren pädagogischen Plänen überein. Und nicht zuletzt haben die Kinder einen riesen Spaß und lachen sehr viel.

Er lässt sie einen Luftballon auf der Nasenspitze balancieren. Sie sollen einen TT-Ball unter einen Arm klemmen und gleichzeitig den Ball auf dem Schläger springen lassen. Er befestigt Bälle an Bändern an der Decke, so dass die Kinder gegen einen Ball schlagen können – und der Ball kommt immer zurück!

Der Ball kommt immer zurück.

Dann sollen die Kinder den Ball wie ein Ei behandeln, ihn auf einem Löffel, den sie in der Hand halten, transportieren, ohne dass er herunterfällt. Sie gehen vorsichtig balancierend damit über eine Bank. Bei der gleichen Aufgabe, jetzt aber mit dem Löffel im Mund, sind die Kinder sehr konzentriert. Ihre Gesichter strahlen, wenn sie es schaffen, dann legen das „Ei“ vorsichtig auf einen Teller, ohne dass es kaputt geht.

Koordination ist gefragt

Horst hat einen einfachen TT-Roboter dabei, „seht mal, der Roboter spuckt Bälle aus!“ Und die Kleinen lieben es, gegen die plötzlich aus der Maschine anfliegenden Bälle zu schlagen. 

Der Roboter spuckt die Bälle aus.

Und meistens schließt er die Übungsstunde mit „Schneebälle fangen“ ab, indem er eine Kiste mit Bällen über die Kinder gießt, die diese in Windeseile und mit großem Eifer wieder einsammeln. 

Schneebälle fangen

Wenn alle Bälle wieder in der Kiste liegen, ist es Zeit sich zu verabschieden. Dafür hat Horst einen Spruch eingeführt, den alle Kinder sehr schnell beherrschen und mit Begeisterung rufen: 
„Ding-dong, ping-pong; ding-dong, ping pong“. 

„So erinnern sich alle daran, dass sie Tischtennis gespielt haben“ sagt Horst Heckwolf und lacht, denn diese Stunden bereiten ihm ohne Zweifel genauso ungeheuren Spaß wie den Kindern. 

Die Idee, 4 – 6-jährigen Kindern Tischtennis nahe zu bringen, kam ihm in China. Dem früheren Bundesligaspieler, Landes- und Bundestrainer Jugend war bewusst, dass der Aufbau einer neuen Tischtennisgeneration in Deutschland notwendig zu sein schien, wenn man den Vorsprung der Asiaten nicht schon in frühem Alter zu groß werden lassen wollte.

„Ich war drei Wochen in China und habe 3-5-jährige Jungen und Mädchen systematisch trainieren sehen. Da dachte ich: Wir werden in der Zukunft keine Chance haben, die Asiaten zu schlagen, wenn die meisten Kinder bei uns erst mit 8-10 Jahren anfangen zu spielen.“ 

Am Anfang spielen die Kinder den Ball oft zu fest. Trainerin Anna Kegelmann erklärt ihnen, dass sie dem Ball mit Gefühl nur einen kleinen Stoss geben müssen. Und schon rollen die Kleinen den Ball vorsichtig und langsam hin und her. Einmal, zweimal, dreimal, ohne dass der Ball auf den Boden fällt.

Gedacht und gehandelt. Nachdem Horst seine Ideen dem Heimatverein DJK Münster vermittelt hatte, lief sein Projekt 2016 an. Er arbeitete ein Konzept mit dem Ziel aus, den Kindern Tischtennis bei gleichzeitiger Verbesserung der koordinativen Fähigkeiten nahezubringen. Das ist nämlich genau das, was bei den spielerischen Stunden in den Kitas geschieht. Und nicht nur das! Die Kinder üben gleichzeitig sich zu konzentrieren, zu fokussieren, ihr Reaktionsvermögen und vieles andere.

„Wir haben einige Sponsoren gefunden und haben die Möglichkeit, dies einige Jahre weiterzuführen. Die Herausforderung ist, die Kinder in den lokalen Vereinen weiter zu fördern und ihr Interesse am TT zu stimulieren. Damit der Übergang so weich wie möglich geschieht, ist es wichtig, dass die Kinder zunächst die gleichen Bezugspersonen in der Kita wie im Verein haben.“ 

Horst Heckwolf weiß nämlich genau, dass es nicht ausreicht in der Kita anzufangen. Das, was danach folgt, ist genauso wichtig – wenn die deutschen Spieler sich auch in der Zukunft mit den Asiaten messen wollen.„Wir müssen viel früher anfangen, mehr Talente früh auszubilden als dies zur Zeit der Fall ist. Und die besten 9-10-jährigen bei gemeinsamen Lehrgängen und Turnieren für „Minis“ sammeln.

Der heutige Bundestrainer Jörg Rosskopf war, als er 5 Jahre alt war, einer der Schützlinge von Trainer Horst Heckwolf in seinem Heimatverein DJK Münster. Einige Jahre später betreute Horst seinen Schützling bei einem Turnier. Als Jörg den 1. Satz gegen einen deutlich schwächeren Gegner mit 21-0 gewonnen hatte, sagte Horst zu ihm, dass er im 2. Satz etwas netter sein und seinem Gegner einige Punkte überlassen könnte. Dann ging er zum Betreuen eines anderen Spielers. Als sie sich nach den Spielen wieder trafen, fragte Horst, ob er im 2. Satz freundlicher zu seinem Gegner war. Jörg nickte. „Und, wie hoch hast du denn gewonnen?“ „21-1“.   

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