David möchte überraschen

Jens FellkePortrait, Spielerportrait

Gefühl. David Björkryd compass-Spieler aus Schweden. Zieht gern mit Sidespin. Foto: Irving Karlsson

„Was ich am Tischtennis am meisten mag, ist, einen guten Schlag auszuführen. Ich mag schöne lange Ballwechsel, besonders Topspin gegen Topspin. Und ich ‚fische‘ gerne von hinten, auch wenn es nicht sehr effizient ist.“

So erklärt David Björkryd seine Leidenschaft für Tischtennis.

Der gerade Dreizehnjährige ist eines der vielversprechendsten Talente in Schweden. Er wurde in eine Tischtennis-Familie hineingeboren. Als er vier Jahre alt war, fing er an Tischtennis zu spielen. Mit sechs Jahren begann er regelmäßig zu trainieren. Mit zehn Jahren wurde er der jüngste Teilnehmer einer schwedischen nationalen Meisterschaft. Er qualifizierte sich zusammen mit seiner Mutter Karin, einer ehemaligen Zweitliga-Spielerin und heute Vorsitzende in David‘s Verein, im gemischten Doppel.

Vorhand Topspin – Davids beste Waffe am Tisch. Foto: Irving Karlsson

Er träumt davon, ein neuer Koki Niwa oder ein neuer Fan Zhendong zu werden. Aber David träumt nicht nur, er tut es wirklich. Rund 20 Stunden in der Woche trainiert er am Tisch, um sein Spiel zu verbessern. Er ist viel unterwegs, fährt oft zu internationalen Turnieren und Lehrgängen. Anfang Januar 2019 war er drei Wochen in Peking, um dort mit dem Team der Provinz Peking zu trainieren. Er war mit zwei seiner besten schwedischen Tischtennisfreunde und seinem Trainer Mattias Syrén unterwegs. „Es war aufregend, hart und hat Spaß gemacht! Es war absolut toll. Sie hatten vier Hallen nur für Tischtennis und es gab auch noch viele andere Hallen für andere Sportarten in derselben Gegend.

Auf dem Weg nach China. David (rechts) und seine Freunde Dennis Larsson (links) und Charlie Carlson (Mitte). Das rechte Foto zeigt die Trainingshalle in Peking. Fotos: privat

„Wir haben viel trainiert, mehr als sieben Stunden am Tag. Es gab viele regelmäßige Übungen und es war wichtig, die Übungen mit viel Ballwechseln zu machen. Der Coach war König. Er hatte immer recht. Die chinesischen Spieler hören nur zu und nehmen Anordnungen entgegen. In Schweden denkt der Spieler mehr selbst. Er bespricht Probleme mit dem Trainer. Ich denke, dass dies besser ist, im schwedischen System wird der Spieler selbstständiger. “

„In China sind die Trainer die Könige“, sagt David. Foto: Mattias Syrén

Die Schweden spielten im Team gegen gleichaltrige Chinesen. Am Anfang hatten sie kaum eine Chance, aber am Ende gewannen David und seine Freunde. „Beim letzten Mannschaftsspiel war ich hoch motiviert und sehr nervös. Ich fand es wichtig, ‚das letzte Wort zu haben‘. Ich hatte gelernt, wie sie während unserer Trainingseinheiten gespielt haben, und hatte mir effiziente Taktiken überlegt. Ich spielte gegen einen Typen geboren im Jahr 2007, gegen den ich zuvor verloren hatte. Der war total gestresst, weil ich die Bälle früh annahm und hart spielte. Ich habe 3-0 gewonnen. Dann habe ich gegen einen Lefty verloren, aber im dritten Spiel habe ich einen starken Abwehrspieler geschlagen. “

David hat gute Aufschläge Foto: ITTF

„Also, was sind die Stärken und Schwächen der chinesischen Jungen während der Spiele?“
„Sie sind sehr schnell und verteidigen sich gut. Sie sind gut in den „sauberen“ Ballwechseln. Wenn es  jedoch darum geht, Spin zu lesen, sind sie nicht so gut. Und sie haben Probleme, wenn ich einen Topspin mit Sidespin spiele. Ich habe auch viele Bälle in die Mitte gespielt.

Was die Psychologie angeht, schreien sie oft und laut “cholle”. Wenn ich zurückschreien würde, würden sie sogar noch lauter schreien, also blieb ich bis zum Ende des Spiels ruhig. Dann begann ich auch laut zu schreien, was sie irgendwie überraschte.“

Das Training fand an sechs Tagen in der Woche statt, sonntags war frei. Die Schweden besichtigten die Verbotene Stadt und den Platz des Himmlischen Friedens. Sie aßen gute Pizzen in Pizza Hut, nicht weit von dem riesigen Platz. „Am liebsten ging ich auf den Markt, kaufte Dinge und verhandelte. Das hat großen Spaß gemacht. Ich habe ein Paar Kopfhörer für 180 Yuan gekauft. Zuerst wollten sie über 1 000! „

„Gab es etwas, was Du Dir anders vorgestellt hattest, bevor Du nach China geflogen bist?“„Ich dachte, es würde mehr Gebäude im chinesischen Stil geben, na so wie ich es im Fernsehen gesehen habe. Mit speziellen Dächern, Du weißt schon. Aber davon gab es nicht viele. Und ich hatte nicht erwartet, dass es so sauber ist. Keine Zigaretten und Kaugummi auf der Straße. Auf der anderen Seite spucken sie viel, wenn sie nach draußen gehen. “

Zurück in Schweden ist es das kurzfristige Ziel von David, Spieler zu schlagen, die höher als er selbst eingestuft sind. Er möchte sie überraschen, indem er auf einem höheren Niveau spielt, als sie erwarten. Seine Vorhand ist jetzt stärker als vor der Chinareise.

„Und was war das Schönste, als du zurück nach Schweden und deinem zu Hause in Eskilstuna gekommen bist?“„In meinem eigenen Bett zu schlafen! Das war wundervoll!“

David während des Spiels. Fotos: Irving Karlsson