Darko Jorgic nähert sich Schritt für Schritt der Weltspitze

Jens FellkeSpielerportraitLeave a Comment

”Alles Negative – Druck, Herausforderungen – das sind alles Möglichkeiten für mich zu wachsen.” Dieses Zitat der amerikanischen Basketball Legende Koby Bryant ist eins der ersten Dinge, die man sieht, wenn man die Homepage von Darko Jorgic besucht.

”Ich habe dieses Zitat gelesen, bevor ich letztes Jahr das Europe Top 16 gespielt habe”, erzählt der 22-jährige Slowene am Telefon. „Ich dachte mir, dass Bryants Worte eigentlich ganz gut zu mir passen und ,meine große Motivation die Weltspitze zu erreichen, gut reflektieren. Ich hatte mich so gerade noch fürs Europe Top16 qualifiziert, aber im Turnier selbst habe ich es dann bis ins Finale geschafft. Ich habe wirklich gut gespielt, habe Samsonov, Wang Yang und Pucar geschlagen, bevor ich gegen Boll im Finale verlor. Ich hatte das Zitat von Bryant in meinem Kopf während des gesamten Turniers und seitdem habe ich es als mein Motto behalten.“

Jorgic´s Rückhand ist ein sehr wichtiger Teil seines Spiels. Foto: Privat 

Mit knapp fünf Jahren angefangen
Als wir uns unterhalten, fährt Darko Jorgic gerade mit seinem brandneuen BMW, einer seiner fünf Sponsoren Firmen, zu seinen Eltern nach Trbovlje, einer 15.000 Einwohner Stadt in der Mitte Sloweniens. Dort wuchs er auf und dort begann er auch kurz vor seinem fünften Geburtstag zusammen mit seinem gleichaltrigen Freund Nathan Urh mit dem Tischtennis. Dessen Eltern waren TT-Trainer und frühere Topspieler im alten Jugoslawien. Vater und Trainer Joze Urh erkannte Darkos Talent und nachdem er eine Medaille bei seinem ersten Turnier gewann, hörte er mit Basketball, dem Sport seines älteren Bruders und seiner Mutter, während der Vater Fußball spielte, auf.

„Am Anfang trainierte ich an vier Abenden pro Woche und spielte Wettkämpfe an vielen Wochenenden. Ab ca. 12 Jahren spielte ich fast jeden Tag. Als ich 15 war und von zu Hause auszog, um aufs Gymnasium zu gehen und im nationalen Trainingszentrum in Novo Mesto im Südosten zu leben, trainierte ich zweimal täglich.“
Bei U-15, U-18 und U-21 Europameisterschaften gewann Darko insgesamt 10 Medaillen in Einzel, Doppel, Mixed und Mannschaft.

Im Ausland
Nach seinem Abitur ging Darko ins Ausland. Zuerst nach Carrarra in Italien, wo er ein Jahr blieb, dann nach Bad Königshofen in Bayern und von dort ins Saarland zum FC Saarbrücken, wo er auch noch mindestens zwei Jahre bleiben wird. Wenn nicht sogar noch länger.

Das Timing, im richtigen Augenblick am richtigen Ort zu sein, hatte größte Bedeutung für Darko’s Entwicklung als Spieler. Foto: Privat

„Ich fühle mich sehr wohl in Saarbrücken. Wir haben ein starkes Team und kämpfen um die Titel, die Qualität der Trainingsgruppe ist hoch und mein erster Trainer, Joze Urh, ist auch hier. Er ist angestellt im Tibhar Center und hat auch andere junge slowenische Spieler mitgebracht. Wir sind hier wie eine kleine Kolonie, was mir das Gefühl von einem Zuhause gibt.“
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Der Weg in die Top 30
Bis jetzt hat der Weg Jorgic bis zu Platz 27 der Weltrangliste geführt. In seinem Alter, geboren 1998 und jünger, ist er die Nummer vier in der Welt. Nur Harimoto, Lin Yun-ju und Wang Chuqin sind vor ihm. Wenn man ihn fragt, wie er es von den Top 200 in 2016, über die Top 100 in 2017 und Top 50 in 2019, jetzt in die Top 30 geschafft hat, nennt er einerseits die großen Trainingsumfänge, aber auch die Wichtigkeit, immer sauber und auch clever zu trainieren. 
„Du musst genau wissen, was du verbessern musst und wie du dorthin kommst.“ Ein anderer wichtiger Punkt ist das Timing, zur richtigen Zeit am richtigen Platz zu sein, um sich entsprechend gut weiterzuentwickeln.

Wichtige Entscheidungen
„In welcher Liga ich gespielt habe, war z.B. sehr wichtig. Als ich Slowenien verließ, habe ich erst Italien gewählt, anstatt in der zweiten Liga in Deutschland zu spielen. Das habe ich gemacht, um Selbstvertrauen aufzubauen. In Italien war das Niveau nicht so hoch, weshalb ich die meisten Spiele gewinnen konnte, was mir sehr dabei half, immer besser bei den internationalen Turnieren zu spielen. Du musst wissen, ich bin sehr verärgert, wenn ich verliere, tatsächlich so sehr, dass ich dadurch auch mal mein Selbstvertrauen verlieren kann.“

„Ich kam dann in die Bundesliga zu Bad Königshofen als ich 19 Jahre war, was sich super anfühlte. Ich habe 15 Spiele gewonnen und 14 verloren, was ich als gute Bilanz empfand. Meine Erfahrungen in der Liga und bei internationalen Meisterschaften gaben mir zu verstehen, dass ich wirklich gute Spieler schlagen konnte. Das hat mich dann umso mehr motiviert.“

„Mit Saarbrücken bin ich zu einem der besten europäischen Vereine gewechselt. Für mich bedeutete das mehr Training auf höherem Niveau, was speziell wichtig war für meine Vorhand, meine Aufschläge und um insgesamt sicherer zu werden – weniger leichte Fehler zu machen. Aber auch das Krafttraining und das mentale Training wurde forciert. Dadurch habe ich Schritt für Schritt mein Spiel über einen längeren Zeitraum weiterentwickelt.

Darko Jorgic nach dem Sieg gegen den Schweden Kristian Karlsson in einem Bundesligaspiel gegen Düsseldorf. 2020 wurde er Deutscher Meister mit seiner Mannschaft und in der Champions League dieses Jahr verlor das Team erst im Finale gegen Düsseldorf. Foto: Privat

Visualisierung der kommenden Spiele
Bzgl. des mentalen Parts hat Darko die letzten sechs Jahre mit einem Sportpsychologen gearbeitet. Jorgic schaut sich alle seine Spiele an, versucht die unterschiedlichen Stimmungslagen, wie er sich während des Spiels gefühlt hat, zu definieren. Oft besteht die Herausforderung darin, selbst etwas ruhiger zu werden, nicht wegen des eigenen Temperaments den Fokus zu verlieren,  damit einen die Emotionen nicht von dem abhalten, was man eigentlich tun muss. 

„Vor einem Match gehe ich das Spiel in meinem Kopf durch. Ich visualisiere, wie das Spiel wohl wird und wie ich die Ballwechsel spielen will, was ich zeigen und erreichen will.“ Mit dem Finale beim Europe Top 16 im Kopf, hatte Jorgic einige Erwartungen als er nach Warschau/Polen zur EM im Juni fuhr, aber im Einzel verlor er schon in der Runde der letzten 32 gegen den Schweden Anton Källberg. 
„Ich führte 3-1, aber Källberg machte keine leichten Fehler mehr. Er ist in herausragender Form und hat verdient gewonnen. Es gilt, das Spiel zu analysieren, damit ich ihn beim nächsten Mal schlage.“
Zum nächsten Duell mit Källberg könnte schon in Kurzem bei den Olympischen Spielen kommen. 

Darko mit seinen slowenischen Mannschaftskameraden und der Bundestrainerin Andreja Ojsteršek Urh bei einer Foto Session vor der Abreise zu den Olympischen Spielen in Tokio. Foto: Privat

Lieber Ma als Fan bei den Olympischen Spielen 
Falls du auf einen Chinesen treffen solltest, welchen würdest du bei der Auslosung bevorzugen? Fan Zhendong oder Ma Long?
„Ma Long. Ich habe beim World Cup 4-2 gegen ihn verloren, hatte aber einen Satzball zum 3-2. Dann habe ich angefangen darüber nachzudenken, dass ich gewinnen kann, was mich plötzlich zu passiv werden ließ. Aber Ma Long spielt mit seiner Rückhand weniger aggressiv als Fan Zhendong. Wenn ich also einen guten Tag mit meiner Rückhand habe, könnte ich gegen Ma Long eine Chance haben.“

Slowenien hat sich mit einem eigenen Lehrgang und anschliessend zusammen mit dem kroatischen Team vorbereitet. Am 15. Juli ging der Flieger Richtung Tokyo. Das Turnier startet am 23. Juli. „Ich habe nicht in Rio 2016 teilgenommen – mit der Teilnahme an den Olympischen Spielen wird also ein Traum wahr. Sie wurden leider um ein Jahr verschoben, aber das Positive für mich persönlich ist, dass ich ein Jahr älter und ein Jahr erfahrener bin. Ein Jahr „besser“. Ich freue mich riesig darauf, und der Umstand, dass nur zwei Spieler pro Nation dort spielen dürfen, macht es natürlich auch leichter als bei einer WM ein gutes Ergebnis zu erzielen.“

compass wünscht Darko viel Erfolg bei Olympia!

Darko mit seinem slowenischen Olympia Caps

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