Beweg dich gut, dann beweg dich oft

Jens FellkeAktuelles, Portrait, TrainerportraitLeave a Comment

Interview mit Personal Trainerin Melanie Heilemann


Tischtennistrainer können Tag und Nacht über die Technik und Spielstrategien sprechen. Aber wie sieht es mit dem Körper aus, der die Schläge und Bewegungen ausführen soll? Lernen Sie Personal Trainerin und Athletik Coach Melanie Heilemann kennen, die regelmäßig mit drei jungen compass Spielern (Annett Kaufmann, Josephina Neumann, Noah Hersel) arbeitet.

Seit drei Jahren arbeiten Melanie Heilemann und Annett Kaufmann zusammen. Foto: Melanie Heilemann

Melanie Heilemann ist ehemalige Tischtennisspielerin und studierte Sportwissenschaftlerin mit dem Schwerpunkt Management. Nach ihrem Diplom an der Universität Stuttgart nahm sie eine Auszeit und ging für zwei Jahre in die Türkei, um als Sport-Entertainerin zu arbeiten.

„Damit habe ich mir einen Kindheitstraum erfüllt“, sagt sie über Zoom in ihrem Stuttgarter Studio. „Ich habe in einem Resort gearbeitet und war Mitglied eines Teams, das die Gäste unterhielt. Ich war in der Tanzgruppe, habe in verschiedenen Theaterstücken und Musicals mitgewirkt und meine sportliche Hauptaktivität war Beachvolleyball.“

Das hat natürlich großen Spaß gemacht, aber als der Kindheitstraum nach zwei Jahren ausgeträumt war, wollte Melanie weiterziehen. Sie ging zurück nach Deutschland, wo sie für ein Fitnessunternehmen arbeitete und sich dort zum Personal Trainer und Functional Fitness Coach ausbilden ließ. Melanie sammelte viele Erfahrungen in der Fitnessbranche, denn sie unterrichtete nicht nur Functional Fitness oder gab Personal Trainings, sie trainierte auch viele Jahre lang – zum Beispiel – die Berufsfeuerwehr in Stuttgart. Außerdem absolvierte sie auf eigene Faust verschiedene Ausbildungen im Gesundheits- und Sportbereich in den USA, zum Beispiel wurde Melanie ‚Fascial Stretch Practitioner‘.

Melanie Heilemann.
Foto: Volker Arnold


„Im Vergleich zu Europa sind die USA in der Fitnessbranche sehr weit vorne. Deshalb habe ich mich entschieden, mich in den USA weiterzubilden.“

Unter anderem absolvierte Melanie eine Ausbildung zum Certified Speed and Agility Coach bei Lee Taft sowie zum Certified Functional Strength Coach bei Michael Boyle. Im Jahr 2014 war Melanie Heilemann dann bereit, sich selbstständig zu machen. Seitdem hat sie mit einer ganzen Bandbreite an Menschen gearbeitet, darunter viele Athleten z.B. aus dem Handball, Fußball und anderen Sportarten.


Was ist denn spezifisch für Tischtennis?

„Bei der Fitness für Tischtennis geht es viel um schnelle Bewegungen. Beweglichkeit ist natürlich sehr wichtig, um sich in hohem Tempo bewegen zu können bzw. bei schnellen Richtungsänderungen. Man braucht starke Beine, um sich in tiefer Position bewegen zu können. Und man benötigt einen stabilen Rumpf, um entsprechend die Hüfte und den Rumpf nutzen zu können, um härtere Schläge zu bekommen. Nicht zu vergessen ist die Stabilität in den Fußgelenken, um ein gutes Gleichgewicht zu haben, und starke Schultern.

Ein Tischtennisspieler muss einen Körper aufbauen, der sowohl stark als auch bereit für explosive Bewegungen ist.“

Langjährige Arbeit mit Annett Kaufmann

Vor drei Jahren besuchte Melanie das Tischtenniszentrum in Böblingen. Als ehemalige Tischtennisspielerin (Regionalliga-Niveau) ging sie in die Tischtennishalle, wo sie die damals 12-jährige Annett Kaufmann kennenlernte. Es begann eine Zusammenarbeit, die bis heute anhält.

„Als Personal Trainer muss man wissen, was die Person, mit der man arbeitet, wirklich will. Im Fall von Annett ist das klar. Sie möchte 2028 an den Olympischen Spielen teilnehmen, wenn nicht schon 2024 in Paris. Auf dieses Ziel konzentrieren wir uns in jeder einzelnen Trainingseinheit.“

Aber gelegentlich auch kurzfristiger. So wie damals, als Annett beim Europe Youth Top 10 Turnier antreten sollte und vor der Abreise sehr nervös war. In dieser letzten Sitzung vor Annetts Abreise zum Turnier setzte Melanie eine Atemtechnik als Schlüssel ein, um Annetts blockierten Körper zu lockern.

„Ich spürte, dass sie irgendwie verschlossen war, und es war nötig, sie zu beruhigen. Also habe ich sie dazu gebracht, sich hinzulegen und tief zu atmen.“

Zurzeit arbeitet Melanie neben Annett noch mit zwei weiteren compass Spielern – Noah Hersel, geboren 2008, und Josephina Neumann, geboren 2010. Wegen der Pandemie haben sie sich noch nicht getroffen, deshalb findet das Fitnesstraining bisher online statt, was gut funktioniert.

Online-Training mit Josephina Neumann. Foto: Privat

Worauf konzentrierst du dich bei der Arbeit mit Kindern in diesem Alter?

„Zunächst einmal müssen sie lernen, ihren Körper zu kennen. Es ist wichtig, die Muskeln im Po, im Bauch, in den Beinen und so weiter zu erkennen. Danach bringe ich ihnen bei, wie sie ihren Körper einsetzen können, wie sie die Muskeln in verschiedenen Situationen am Tisch nutzen können.“

Wenn es darum geht, Tischtennis zu unterrichten, sind wir sehr gründlich, damit die Kinder eine nahezu perfekte Technik haben. Ist das genauso wichtig wie die Tatsache, dass man im athletischen Bereich präzise trainiert?

„Auf jeden Fall! Ich folge der goldenen Regel, die ein Zitat von Gray Cook ist: Bewege dich gut, dann bewege dich oft.

Noah Hersel bekommt kräftigere Knie und Beine. Foto: Privat

Ein Tischtennistrainer ist meist auf Tischtennis spezialisiert. Dennoch ist er oder sie oft auch für die körperliche und geistige Entwicklung des Spielers verantwortlich, und an allen drei Bereichen muss viel gearbeitet werden, um das Potenzial des Spielers optimal zu entwickeln.

Was sind deine Ratschläge für einen Tischtennistrainer in Bezug auf den Fitnessbereich?

1. Nicht schaden: Wenn eine Übung schlecht aussieht, ist sie für deinen Athleten schlecht. Ihr müsst eure Athleten korrigieren oder die Übung ändern. Geht niemals das Risiko ein, dass sich dein Sportler verletzt.

2. Halte es einfach: Wähle einfache Grundübungen wie Kniebeugen, Kreuzheben, Liegestütze, Rudern usw. Es muss nichts Ausgefallenes sein.

3. Lasse dein Ego und deine Agenda aus dem Spiel: Wenn du einen sehr schlechten Tag hast, lass es deinen Athleten niemals wissen. Als Trainer solltest du dich auf deine Athleten konzentrieren.

4. Liegestütze als Vergnügen, nicht als Bestrafung: Sportliches Training sollte Spaß machen. Hör auf, Liegestütze als Bestrafung nach einem misslungenen Schlag zu verwenden!

5. Höre auf deine Athleten. Bevor du deine Trainingseinheit beginnst: Führe ein kurzes Gespräch darüber, wie sich dein Sportler heute fühlt. Manchmal muss man die Tagesordnung ändern, um das beste Ergebnis mit der Trainingseinheit zu erzielen.


Hier einige Anregungen und Übungen von Melanie, die Spieler und Trainer nutzen können: Youtube Link

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