Annett jüngste U21-Europameisterin aller Zeiten

Jens FellkeAktuelles, Fakten, Portrait, Resultate, SpielerportraitLeave a Comment

Am Sonntag den 14. November 2021 schrieb die deutsche compass Spielerin Annett Kaufmann ein Stück Tischtennisgeschichte. Im belgischen Spa besiegte sie im Finale die Russin Mariia Tailakova und wurde damit die jüngste U 21-Europameisterin aller Zeiten.

Mariia Tailakova, Annett Kaufmann, Andreea Dragoman und Franziska Schreiner. Silber, Gold und Bronze bei der U21-EM in Spa, Belgien. Foto: privat

Mit 15 Jahren und 5 Monaten war Annett Kaufmann zwei Monate jünger als die 2020er-Siegerin Pritikha Pavade, als sie beim Stand von 3:2 und 10:8 lang auf die Vorhand von Tailakova schupfte, den folgenden Eröffnungball mit Druck weit in die Vorhandecke der Russin blockte – und den nächsten Ball dann tief in die Rückhandseite von Tailakova spielte.
Die fünf Jahre ältere Nummer 95 der Erwachsenen-Weltrangliste schaffte es nicht, sich schnell genug in die Rückhandecke zu bewegen. Sie spielte den Ball weit ins Aus. 
Satz, Spiel und Gold für Annett Kaufmann – 13:11, 6:11, 11:9, 11:8, 7:11, 11:8.

Überwältig nach dem Matchballt. Foto: privat

”Als ich den Matchpoint gemacht hatte, war ich überwältigt. Ich konnte es kaum glauben und wusste auch gar nicht, was in dem Moment passiert ist. Natürlich ist mein Ziel, wie auch bei jedem anderen Turnier, 1 Spiel zu gewinnen, aber ich hätte niemals gedacht, dass ich Europameisterin werde.”

Annett Kaufmann

Annett hatte noch nie zuvor gegen Tailakova gespielt, weshalb es zu Beginn schwierig war.

”Ich hatte viele Gedanken und war auch ziemlich nervös, da ich natürlich gewinnen möchte. Das, zumindest bei mir, führt dazu, dass ich sehr ehrgeizig werde, und dieses Gefühl verstärkt sich natürlich dann im Finale. Das stand mir dann manchmal im Weg, da ich mich nicht immer ganz auf den jetzigen wichtigen Moment konzentrierte, sondern mich eher über meine Fehler aufregte.”

Dritter Satz entscheidend 

”Ich glaube entscheidend war der dritte Satz, in dem ich 5:9 hinten lag. Denn das war glaube ich die Wende des Spiels, wodurch ich sie etwas rausgebracht habe und sie so mehr leichtere Fehler gemacht hat. Aber dennoch waren alle Sätze sehr knapp und man musste für jeden einzelnen Punkt kämpfen.”

Eine Taktikerin und Siegertyp. Foto: privat

Annett Kaufmann besiegte Hana Arapovic (Kroatien) mit 4:1 und erreicht damit das Viertelfinale. Dort lieferte sie sich ein hartes Duell mit der Französin Camille Lutz, das sie mit 4:2 gewann, wobei der letzte Satz knapp zu 9 ausging. Im Halbfinale traf Annett auf ihre Landsfrau, Freundin und Zimmerkollegin in Spa, Franziska Schreiner. Kaufmann gewann mit 4:1, aber Schreiner hätte noch verkürzen können, denn sie verlor den letzten Satz mit 14:16, was einmal mehr die Stärke von Annett Kaufmann in den entscheidenden Phasen der Matches zeigte.

Für Annett war es das fünfte Gold bei einer Europameisterschaft in weniger als vier Monaten. Ende Juli und Anfang August holte sie bei den Jugend-Europameisterschaften der U 15 die Titel im Einzel, Doppel und Team. Anfang Oktober war sie Mitglied der deutschen Erwachsenenmannschaft, die Europameister wurde, und nun dieser U 21-Erfolg in Spa.

Mit diesem Erfolg bei der U-21 EM hat sich Annett offiziell für die Europameisterschaft 2022 in München als Teil der deutschen Mannschaft qualifiziert und sich einen persönlichen Einzelstartplatz erspielt. 

Grösste Leistung eines compass-Mitglieds

Der langjährige compass-Geschäftsführer Jochen Leiss, der jetzt in den Ruhestand geht, freute sich natürlich sehr über den Sieg von Annett:

„Annetts Sieg bei der U-21 EM war die bisher grösste Leistung eines/einer compass Spieler/in. Sich mit 15 Jahren gegen bis zu 4 Jahre Ältere durchzusetzen, ist ungewöhnlich.“
Schon als Jochen Leiss sie 2016 als 10-jährige gesehen habe, dachte er, dass sie einen außergewöhnlichen Instinkt für Tischtennis hat. Solche Ahnungen werden nicht immer wahr, aber in diesem Falle schon.

„Ohne die Unterstützung ihres Umfeldes hätte sie das aber nicht geschafft. Ohne ihre Mutter, die sie und ihre Schwester Alexandra fast jeden Tag zum Training gefahren hat, compass Trainerin Evelyn Simon, die sich intensiv mit dem manchmal eigenwilligen Mädchen in der Halle und außerhalb auseinandergesetzt hat, der Verband mit seinen Leuten, der DTTB und wir von compass – jeder hat beigetragen. Und am meisten natürlich Annett selbst.“

„Wir gratulieren ihr zu diesem Erfolg und sagen: was dich heute zur Siegerin gemacht hat, reicht morgen nicht mehr aus. Weiter geht’s!“


Interview mit Annett auf tischtennis.de – Hier klicken

Das gesamte Finalspiel zu sehen auf ETTU.tv – Hier klicken

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