Welcher Belag ist der richtige für mich?

Jens FellkeAktuelles, MaterialLeave a Comment

Welche Beläge sollte ich spielen, um mein Spiel am Tisch zu optimieren? Was beeinflusst die Eigenschaften eines Tischtennisbelags – und wie passen diese Eigenschaften zu meinem individuellen Spielstil? Bei etwa 1.600 verschiedenen zugelassenen Belägen ist die Wahl nicht einfach. Nachfolgend möchten wir einen allgemeinen Einblick in die „Belagswelt“ geben. 

Zunächst sollten wir einen Blick auf die verschiedenen Belagsbauteile werfen.

Belag im Querschnitt, von oben nach unten: Noppengummi, Klebeschicht, Schwamm und eine weitere Klebeschicht (um den Belag auf das Holz anzubringen). Foto: ESN

Der rote Abschnitt ist das Noppengummi, der grün-gelbe der Schwamm. Eine Schicht Kleber verbindet die beiden Bauteile und unter dem Schwamm muss der jeweilige Spieler händisch selbst Kleber anbringen, um den Belag auf dem Holz zu befestigen. Ein Belag Hersteller muss sich also mit zwei Komponenten auseinandersetzen: mit dem Noppengummi und dem Schwamm. 

Geometrie
Das Noppengummi lässt sich hauptsächlich durch 2 Charakteristika beeinflussen:  die Noppengummimischung und die Geometrie. Zur Geometrie gehört die Form der Noppe, sowie der Abstand zwischen den Noppen. Längere und dünnere Noppen führen beispielsweise zu einem weicheren Noppengummi und sorgen für ein verbessertes Gefühl für den Ball. Diese Variation ist besonders nützlich für Spin gegen Spin/Block, im gleichen Atemzug allerdings auch ungünstiger für Spin gegen Unterschnitt. Umgekehrt ist es genauso: kürzere und dickere Noppen sind gut für Topspins gegen Unterschnitt, jedoch schwächer bei Spin gegen Spin/Block.

Härte
Grundsätzlich lässt sich der Schwamm in Dicke, Härte und Materialmischung unterteilen. Je dicker der Schwamm (bis zum Punkt, an dem der Schwamm zu schwer wird), desto schneller verlässt der Ball den Belag nach dem Kontakt. Ein dickerer Schwamm entwickelt darüber hinaus auch mehr Spin. Ein dünnerer Schwamm sorgt dagegen für geringeres Tempo und weniger Spin.  Je härter der Schwamm, desto besser ist er für Topspin gegen Unterschnitt geeignet, allerdings auch verbunden mit einer geringeren Flugkurve bei harten Topspins gegen Topspins oder gegen Blockbälle. Bei einem weicheren Schwamm verhält es sich umgekehrt – gute Flugkurve bei Topspin oder Block, jedoch weniger effizient bei Topspin gegen Unterschnitt.

Millionen von Variationen möglich
Theoretisch kann ein Tischtennisbelags Hersteller tatsächlich also aus einem Repertoire von über einer Million Möglichkeiten schöpfen, um die Belagproduktion zu variieren, in dem man verschiedene Kombinationen aus Mischung, Geometrie, Dicke und Härte wählt. Außerdem ist auch der Kleber, das Noppengummi und Schwamm zusammenhält, eine weitere Variable, ebenso wie der Kleber zwischen Schwamm und Holz. Allerdings ist der Einfluss des Klebers im Gegensatz zu den anderen Parametern als geringfügiger einzuordnen, solange der Spieler die Eigenschaften des Belags nicht mit verbotenen Nachbehandlungen manipuliert.

Alles beeinflusst alles
Alle wichtigen Veränderungen beeinflussen die Eigenschaften des Belags und dessen Performance bei allen Schlägen. Daher ist es auch möglich die Beläge so anzupassen, dass sie auf den jeweiligen Spieler abgestimmt sind. Außerdem kann man die unterschiedlichen Belageigenschaften auch mit einem passenden Holz verbinden, was zu weitaus mehr möglichen Kombinationen führt. Bei Hölzern ist es allerdings auch abhängig von der Zusammensetzung Naturholz und/oder Karbonschichten. Die Auswirkung des Holzes ist in punkto Spin geringer, bezüglich Geschwindigkeit allerdings äußerst hoch. Ebenso ist dem „Sound“ beim Balltreffpunkt, welcher die Spieleigenschaften nicht direkt beeinflusst, eine gewisse Bedeutung zuzuordnen, da dieser das innere Spielgefühl positiv betrifft.

Der Schlüssel, um den bestmöglichen Belag für einen Spieler zu finden, ist die 
Anpassung an das eigene Spiel- und Technikniveau sowie an die körperlichen Fähigkeiten.

Eine individuelle Wahl
Der Schlüssel, um den bestmöglichen Belag für einen Spieler zu finden, ist die Anpassung an das eigene Spiel- und Technikniveau, sowie an die körperlichen Fähigkeiten. Nur so ist der Spieler imstande, das Optimale aus dem Belag „herauszukitzeln“. Deshalb ist es für einen Anfänger bzw. auch für den Fortgeschrittenen keine gute Idee, die gleichen Beläge zu spielen wie die Profis. Spieler, die noch nicht sehr lange und viel TT gespielt haben, sollten eher Beläge mit weicheren Schwämmen wählen, wohingegen die Profis Beläge mit extrem harten Schwämmen bevorzugen, um das Maximum aus deren deutlich kraftvolleren und dynamischeren Schlägen zu extrahieren.

Mit dem Belag wachsen
Wenn man mit Tischtennis anfängt, sollte das primäre Ziel für jeden sein, den Ball so oft wie möglich ohne Fehler über das Netz zu schlagen. Dies ist am einfachsten mit Belägen mit einer weichen Noppengummi-Geometrie und einem dünnen/weichen Schwamm; eine Kombination, die für ein angenehmes Gefühl für den Ball, für Kontrolle und für geringe Geschwindigkeit sorgt.  Sobald die Technik und Beinarbeit auf ein ordentliches Grundniveau gebracht ist, werden auch die Schläge mit der Zeit härter, weshalb man dann auf andere Eigenschaften des Belags angewiesen ist. Dies ist der richtige Zeitpunkt, um mit immer dickeren Belägen inklusive eingebautem „Frischklebeeffekt“ zu starten, sowie immer härtere Schwämme zu wählen, je nachdem wie weit das individuelle Level vorangeschritten ist. Ein Tipp hierfür ist, Schritt für Schritt voranzuschreiten. 
Möglicherweise ist die Vorhand schon bereit für das nächste Level, die Rückhand dagegen noch nicht bzw. umgekehrt. Somit könnte man auf der einen Seite in Bezug auf Geschwindigkeit und Härte des Belags fortschreiten, während man auf der anderen Seite noch abwartet, bis das Spielniveau reif genug für einen Wechsel ist. Die Auswahl ist dabei breit gefächert – Anfängern wird empfohlen einen 1,8 mm Schwamm mit einer Härte von ca. 35° zu nutzen, während die Profis Schwammstärken von ca. 2.2 mm und eine Schwammhärte von über 50° bevorzugen.

Die Balance finden
Die Kunst ist es, die richtige Kombination zu finden, um alle nötigen Bedürfnisse im eigenen Spiel bzw. im aktuellen, individuellen Stadium auszutarieren.  Evtl. kann es auch sinnvoll sein, einen etwas schwieriger zu spielenden Belag zu wählen, um auch die Herausforderung zu suchen und sich selbst schnellstmöglich auf das nächste Level zu „pushen“. Es gibt eine enorme Vielzahl an zu wählenden Belägen. Die letzte Liste der ITTF beinhaltet über 1.600 unterschiedliche für den Spielbetrieb zugelassene Beläge! Und demnächst wird diese Liste noch viel länger werden, weil sie dann auch noch in allen möglichen Farben auf den Markt kommen werden.

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