Alles fängt beim Menschen an

Jens FellkePortrait, Trainerportrait1 Comment

Oliver Alke, Vollzeit-Coach für die Stiftung compass. Foto: Jens Fellke


„Am wichtigsten sind immer der Mensch und die Pädagogik, d.h., wie man das Kind in seinem individuellen Denken erreichen und verstehen kann. Man muss eine vertrauensvolle Beziehung aufbauen. Nur so können große Dinge gemeinsam erreicht werden. Nur wenn dies vorhanden ist, ist es möglich, ein Kind in seiner Entwicklung so zu unterstützen, daß es hohe Ziele erreichen kann.“

So definiert Oliver Alke seine Mission sowohl als Tischtennis-Trainer als auch als Mensch. 

Seit dem 1. Januar 2019 arbeitet Oliver Alke als Vollzeit-Coach für die Stiftung compass. Seine Aufgabe ist es, junge Talente im Norden Deutschlands zu finden und optimale Voraussetzungen gemeinsam mit deren Umfeld für sie zu schaffen, damit sie als Spieler und Menschen wachsen können. Einfach gesagt, mit den richtigen Leuten zur richtigen Zeit die richtigen Dinge zu tun.

„Das ist spannend“, sagt der erfolgreiche Hamburger Tischtennistrainer. „Ich hatte mir schon lange gewünscht, intensiv und konzentriert mit sehr motivierten Talenten in einer flexiblen, kreativen und ehrgeizigen Organisation zu arbeiten. “

„Ich sehe die Spieler mehr oder weniger täglich. Oft kann ich stundenlang selbst mit ihnen spielen oder Balleimer Training machen.“

Vor seinem Wechsel zu compass war Oliver Alke Landestrainer des Hamburger Tischtennisverbandes, was ihm auch gefallen hat. Er war jedoch nur zu 75% glücklich, weil die Arbeit fragmentiert war. Er hatte stets das Gefühl, überall sein zu müssen, um alle Arten von Problemen für sehr viele Spieler und Vereine zu lösen. Er hatte deshalb zu wenig Zeit, eine ordentliche Arbeit am Tisch mit den Spielern zu machen.

„Als compass-Coach habe ich jetzt weniger Spieler, und die sehe ich mehr oder weniger täglich. Oft kann ich stundenlang selbst mit ihnen spielen oder Balleimer Training machen. Die gute Zusammenarbeit zwischen dem Hamburger Tischtennisverband und compass ist eine ‚win – win‘ Situation, eine gute Lösung für alle Beteiligten – die Spieler erhalten besseres Training und entwickeln sich viel schneller. Der Verband erhält Unterstützung bei der Talentsichtung und -förderung und wird somit letztendlich bessere Spieler erhalten.

Am Wochenende vor unserer Unterhaltung war „Olli“ in Berlin, um einen Neunjährigen zu sehen. Am Tag zuvor war er in Schleswig-Holstein, um mit zwei jungen Leuten zu trainieren. Er brachte seinen eigenen Schützling Lleyton Ullmann mit, und Lleyton bekam den besten Trainingspartner, den Norddeutschen Meister der Herren, Fredrik Spreckelsen.

Oliver Alke ist selbst geborener Hamburger und liebt seine Heimat sehr. Bevor er für den Hamburger Tischtennisverband arbeitete, war er mehr als ein Jahrzehnt lang Profi-Bundesligaspieler. Er vertrat Deutschland bei den Weltmeisterschaften 1993 und ein Jahr danach wurde er mit Grenzau deutscher Mannschaftsmeister. 

„In der damaligen Nationalmannschaft wurden mehr oder weniger Jörg Rosskopf, Steffen Fetzner, Peter Franz und Richard Prause immer ausgewählt. Ich habe mit einigen anderen Spielern immer um die letzten Plätze im Kader gekämpft.“

Um das Jahr 2000 hat Oliver Alke seine Karriere als TT-Profi beendet. Stattdessen begann er an der Universität eine pädagogische Ausbildung mit dem Schwerpunkt „Betreuung von Menschen mit Behinderungen“.

„Dort habe ich viel über die allgemeine Psychologie gelernt, die ich in meine Tischtennis-Trainerwirksamkeit miteinbezogen habe. Am wichtigsten ist immer der Mensch und die Pädagogik, wie man einander erreichen kann, wie man sich tiefer verbindet. Wenn man gemeinsam eine gute Beziehung aufbaut, können unglaubliche Dinge gemeinsam geschaffen werden. “

Deshalb bevorzugt er lieber engen Kontakt mit den Spielern, mit denen er arbeitet, zu haben, als zu ihnen Abstand zu halten. Er sagt, er ist eher weich als hart, eher positiv als negativ. Der Schlüssel ist den Spieler zu verstehen. Wenn er über Verbesserungsbereiche spricht, mischt er es mit den guten Dingen. Es geht mehr um konstruktives Feedback als um Kritik.

„Gleichzeitig muss ich dem Talent den Weg zeigen. Und mache ihm oder ihr klar, was gefordert ist und dass es sehr schwer ist, ein sehr guter Tischtennisspieler zu werden.“

Oliver Alke mit der Deutschen Mannschaft bei einem internationalen Turnier in Thüringen. Foto: Hamburger Tischtennis-Verband

Und was sind Ihre Stärken und Schwächen als Trainer?
„Kreativität, Kommunikation und Tischtenniswissen sind meine Stärken. Ich bleibe offen und glaube, dass ich von jedem, dem ich begegne, etwas lernen kann. Ich bin ehrlich und respektiere und betrachte jeden als gleichwertig. Eine Schwäche ist, dass mir zu schnell langweilig werden kann. Ich habe Probleme, wenn starre Strukturen die Flexibilität und Kreativität meiner Spieler und meiner selbst einschränken.“

Oliver Alke und sein Schützling Lleyton Ullmann bei den Swedish Junior and Cadet Open

Oliver Alke arbeitet seit einigen Jahren eng mit einem Spieler zusammen – Lleyton Ullmann. Er wurde 2006 geboren und Oliver ist der Personal Coach von Lleyton. Eine solche Beziehung ist das wichtigste Element des compass-Konzepts, nur so können Talente nach ganz oben gebracht werden.

„Lleyton macht große Fortschritte, obwohl er natürlich noch an vielen Dingen arbeiten muss. Es ist fantastisch, ihn zu trainieren. Er arbeitet hart und viel. Er ist sehr entschlossen und gleichzeitig aufgeschlossen. Er kann bereits die meisten Schläge ausführen und gewinnt immer häufiger gegen gute, ältere Spieler. Es ist spannend, seine Entwicklung zu verfolgen und ein gleichzeitig ein Teil davon zu sein.“

One Comment on “Alles fängt beim Menschen an”

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.